Meine Reise durch Gujarat
Ich reise dieses Mal 4 Wochen durch den bei uns recht unbekannten indischen Bundesstaat Gujarat ganz im Nordwesten von Indien an der Grenze zu Pakistan. Die Region lockt mit einer faszinierenden Mischung aus unberührter Natur, sehr seltenen Tieren, atemberaubender Architektur und traditioneller Kultur. Im Vergleich zu anderen indischen Reisezielen ist es in Gujarat ruhiger und es ist bis jetzt vom Massentourismus noch weitgehend unberührt. Westliche Touristen sehe ich nur sehr selten. Gujarat ist wirklich noch ein echter Geheimtipp. Doch warum soll man nach Gujarat reisen? Siehe selbst, denn ich nehme dich jetzt mit nach Gujarat zu den Märchenpalästen, in die Salzwüste, zu den letzten asiatischen Löwen und noch vieles mehr…
Im Juwel von Nordwestindien
Auf nach Ahmedabad, in die grösste Stadt von Gujarat
Über Mumbai fliege ich nach Ahmedabad (ausgesprochen Amdabad), der grössten Stadt und Wirtschaftszentrum von Gujarat. Mit über 6,3 Millionen Einwohnern ist sie gar die siebtgrösste Stadt Indiens.
Der Flughafen ist nicht gross, alles klappt wie am Schnürchen und so bin ich keine 30 Minuten Fahrt später schon in der Altstadt von Ahmedabad. Sie wurde Indiens erste von der UNESCO anerkannte Welterbestadt. Ich muss gestehen, ich mag indische Städte nicht so doll, darum bin ich auch sehr gespannt was mich hier erwartet. Und ich kann sagen, die Altstadt von Ahmedabad ist wirklich ein Besuch wert, denn sie hat viel Charm mit ihren kleinen und engen Gassen. Dadurch muss ich aber noch ein kurzes Stück bis zu meiner Unterkunft zu Fuss zurücklegen, denn für ein Auto sind die Strassen zu schmal. Nur Tuktuks können sich hindurch quetschen. Dafür ist es recht ruhig, denn auf den Hauptstrassen staut sich oft der Verkehr und es wird weltmeisterlich gehupt. Ich schlafe, wie es sich für die Altstadt gehört, in einem traditionellen Haveli.
Was ist ein Haveli?
Ein Haveli ist ein palastartiges Herrenhaus oder Kaufmannshaus, das sich durch aufwendige Holzschnitzereien, kunstvolle Fassaden und Innenhöfe auszeichnet. Im Gegensatz zu den steinernen Havelis in Rajasthan enthalten die Havelis in Gujarat viel Holz mit filigranen Schnitzereien an Säulen, Balkonen und Türrahmen. Es gibt in der Altstadt von Ahmedabad einige schön renovierte und erhaltene Havelis, einige sind Heute auch in Unterkünfte umgewandelt worden, wie das Mangaldas ni Haveli 1&2. In einem befindet sich auch ein kleines Café, wo ich gerne einen Stopp für eine Erfrischung einlegen.
Auf Entdeckertour in der Altstadt
Ohne Google Maps (oder einen Guide) wäre ich hier in der Altstadt von Ahmedabad verloren! Es hat einfach so viele kleine, enge und verwinkelte Gassen. Ich habe mir jedoch im Vorfeld Zuhause auf Google Maps Punkte eingezeichnet, die auf Stadtführungen erwähnt werden. So habe ich Anhaltspunkte, wo es im Häusermeer sehenswert sein könnte. Aber immer hilft die App auch nicht weiter, denn manche Passage oder Gasse ist auch nicht richtig eingezeichnet. Aber die Bewohner helfen mir gerne weiter.
Etwas störend sind die Töffs, die mit gehupe durch die Gassen hindurch preschen und auch die Strassenhunde, die mir nicht immer freundlich gesinnt sind. Glücklicherweise schlafen sie mehrheitlich am Tag, doch Abends, in der Nacht und Morgends sind sie aktiv am verteidigen ihrer Reviere. Die Altstadt von Ahmedabad ist wirklich ein Paradies für eine Fotografin wie mich, langweilig wird es da nie. Hier ein paar Impressionen.
Doch die Altstadt macht ihren Namen in einigen Gassen wirklich alle Ehre und es gibt einige recht renovierungsbedürftige Häuser. Ich hoffe, dass der Zerfall gestoppt werden kann, so dass wieder viel Leben in die Häuser einzieht. Da und dort sehe ich auch einen gestrandeten Drachen, diese sind noch Überbleibsel von im Januar stattfindenden Drachenfest. Das muss auch ein Erlebnis sein, wenn auf den Dächern hunderte von Drachen im Wind fliegen gelassen werden.
Was lohnt sich in der Altstadt von Ahmedabad anzuschauen?
Es gibt einige bekannte oder besonders schöne Havelis. Dann gibt es noch eine grosse Moschee und den Shree Swaminarayan Mandir Kalapur Tempel. Er ist der grösste Hindutempel der Altstadt, der 1822 erbaut worden ist. Dieser Tempel ist aus burmesischem Teakholz und im Gegensatz zu den meisten anderen Tempel in Gujarat stark bemalt. Auch die Häuser ringsum sind farbig bemalt. Ein grosses Tor, das früher sogar Streitkräfte mit Elefanten abhalten konnte, schützt den Tempelbezirk.











Reisetipp: Heritage Walk
PS: Falls du nicht so wie ich aufs Geratewohl losziehen willst, würde ich dir einen geführten Heritage Walk empfehlen. Diesen bietet zb. das House of MG an. Ich finde jedoch überall schöne Fotomotive, so bin ich sehr gerne alleine unterwegs. Solltest du dich einmal verirren, so kannst du auch in den grösseren Gassen überall ein Tuktuk anhalten und damit zurück zur Unterkunft fahren. Das French Haveli kennen aber die wenigsten, so brauchst du die genaue Adresse, so finden sie es mit Navi. Ich nehme auch oft ein Tuktuk für den Rückweg. Das kostet irgendwie immer 100RS (ganzes Tuktuk). Das geht aber für mich in Ordnung. Einmal habe ich zwar nur 10RS bezahlt, aber da hab ich es noch mit anderen geteilt und dies war auch pro Person.
Auf den Märkten von Ahmedabad
In der Altstadt in den Strassen rund um die Jama Masjid Moschee gibt es am späteren Nachmittag einen Markt. Da ist unglaublich viel los. Es werden vor allem Alltagsgegenstände und Krimskrams verkauft. Sehr erstaunt mich, dass selbst bei kleinen Marktständen ein QR- Code zum bargeldlosen bezahlen nicht fehlen darf. Fast schöner finde ich jedoch die kleinen Märkte in den Quartieren. Dort haben die Händler auch richtig Freude, wenn ich mich nach den Namen der Gemüse erkundige und wenn sie fotografiert werden.
















Doch auch in der Altstadt hat es kleine Shops in den Gassen verteilt. Souvenirs sucht man hier aber vergebens, es sind Läden für die Einheimischen. Die Altstadt von Ahmedabad ist kein Freilichtmuseum, sondern hier wird richtig gelebt und gearbeitet. Und manchmal fühl ich mich richtiggehend in der Zeit zurück versetzt, wenn ich z.B. den Hemdenbügler sehe mit seinem altmodischen Bügeleisen…
HOTELTIPP: Übernachten im Haveli
French Haveli
Das French Haveli mitten in der Altstadt von Ahmedabad ist ein 150 Jahre altes, kunstvoll restauriertes Haus im traditionellen Gujarati-Stil. Eine Jhula, die traditionelle Schaukel, hängt im kleinen gedeckten Innenhof und lädt zum Entspannen ein. Das Haveli hat 5 Zimmer auf 3 Stockwerken und keines gleicht dem anderen. Jedes ist einzigartig, meines ist richtig gross, hat dafür aber kein Fenster. Aber Achtung, die Treppe ist unheimlich schmal und steil, zum Glück wird mir mit meinem Koffer geholfen, ansonsten hätte ich ihn nie und nimmer die Treppe hoch gebracht. Frühstück und auf Wunsch auch Abendessen wird frisch gekocht und im kleinen Essraum serviert. Ich hätte mir keinen besserer Ort auswählen können, um die Atmosphäre und Geschichte der Stadt auch durch meine Unterkunft erleben zu können und richtig darin einzutauchen.
Sightseeing im Grossraum von Ahmedabad
Ahmedabad hat viele, oft Jahrhunderte Alte, Sehenswürdigkeiten und auch einige Museen. Ich mache zum Beispiel eine Führung imThe Calico Museum of Textiles, hier darf aber nicht fotografiert werden. Um die Sehenswürdigkeiten ausserhalb der Altstadt zu besichtigen brauchst du ein Auto, da du oft Kamera und auch die 7Tasche dort lassen musst. TukTuk ginge natürlich auch, doch im Stadtverkehr zu den Aussenquartieren über lange Strecken finde ich das manchmal etwas mühsam und gefährlich, denn sie rasen oft durch die Strassen und es gibt halsbrecherische Überholmanöver von Autos und Lastwagen. Ich bin hier in Gujarat zusammen mit einem befreundeten Fotografen und dessen Frau unterwegs, so teilen wir uns ein Auto mit Fahrer und können unsere Reisegeschwindigkeit und Stopps selber bestimmen.
Die Sidi Sayyed Moschee liegt in der Nähe der Altstadt. Sie wurde 1573 erbaut. Die Besonderheit sind ihre fein gearbeiteten Steinmetzgitterfenster, die Jalis. Zum Beispiel ist in einem der Fenster ein grosser Baum des Lebens zu erkennen. Auf einer Seite ist das Gebäude offen und noch immer finden darin Gebete statt. Fotogener finde ich jedoch die Rani Sipri Ki Masjid mit ihren Mauerverzierungen in der Nähe vom French Haveli.








Auch sehr imposant ist der Hutheesing Jain Tempel aus dem Jahr 1848. Dessen 24 Meter hoher Turm habe ich schon vom Flugzeug aus gesehen. Es ist ein Manastambha, ein Ehrenpfeiler, der jedoch nicht betreten werden darf. Einen Teil vom danebenliegenden Tempel darf ich mir aber anschauen.
Im BAPS Swamiaraya Hindutempelist fotografieren hingegen kein Problem, ausser der innerste Bereich, den ich auch nicht betreten darf. Der Tempel besteht aus weissem Marmor und ist ein Hindutempel der Swamiaraya- Sekte. Diese verlangt von seinen Anhängern ein strenges moralisches und asketisches Leben. Dazu gehört der Verzicht auf Fleisch, Eier, Zwiebeln, Knoblauch und Alkohol sowie die strikte Trennung der Geschlechter bei religiösen Zusammenkünften. Die Bewegung, die um 1800 entstand, setzte sich aber auch für soziale Reformen ein, darunter die Bekämpfung von Witwenverbrennung. Tempel der Swamiaraya Sekte sind noch relativ häufig in Gujarat.








Was ist der Unterschied von einem Jain- und Hindutempel?
Äusserlich unterscheiden sich Jain- und Hindu-Tempel kaum. Die Unterschiede liegen vor allem in den verehrten Gottheiten, der Gestaltung des Innenraums und den Ritualen. Ausländer dürfen das innerste beider Tempel nicht betreten.
Reisetipp: zu beachten beim Besuch eines Jain Tempels in Gujarat:
In einem Jaintempel darf nicht fotografiert werden. Hier kann ich den Tempel nur von aussen fotografieren und muss dann die Kamera und alle meine persönlichen Gegenstände im Auto verstauen. Kamera, Handy und sogar die Tasche dürfen nicht rein genommen werden! Den innersten Teil vom Tempel darf ich ebenfalls nicht betreten.
Der schönste Stufenbrunnen von Gujarat
Mit dem Bai Harir ni vav sehe ich meinen ersten Stufenbrunnen in Gujarat, für die das Land berühmt ist. Der fünfstöckige Brunnen wurde 1499 aus Sandstein erbaut und vereint islamische und hinduistische Baukunst. Der Hauptbrunnen ist achteckig. Um dorthin zu kommen, muss ich über ein schmales Sims balancieren. Kunstvoll geschnitzte Säulen und Galerien führen dort tief in die Erde hinab. Ich bin fast alleine und kann schön fotografieren. Für mich ist er der schönste Stufenbrunnen, den ich in Gujarat besichtige, gerade auch deshalb, da hier alles recht ursprünglich ist. Eintritt oder Fotogebühr wird keine verlangt.
PS: den fotogensten Stufenbrunnen von Gujarat stelle ich dir noch zum Schluss meiner Rundreise vor, die wieder in Ahmedabad endet.
Warum hat es in Gujarat so viele Stufenbrunnen?
Stufenbrunnen, sogenannte Vavs wurden als ganzjährige Wasserreservoirs errichtet. Sie dienten dazu, das Grundwasser auch während der extremen Trockenzeiten zugänglich zu machen und das Wasser bei Monsunregen aufzufangen. Da das Grundwasser in Gujarat stark schwankt, dienten die Stufen dazu, dem sinkenden Wasserpegel gefahrlos zu Fuss in die Tiefe zu folgen. Die tiefen unterirdischen Kammern boten zudem Schutz vor der extremen Hitze.
Wohlhabende Bürger, Herrscher, Königinnen oder Händler stifteten die Brunnen auch als religiöse Werke, um Verdienst für das Jenseits zu erlangen. Entsprechend aufwendig und kunstvoll sind viele mit Skulpturen, Reliefs und religiösen Motiven verziert.
Auf den Spuren von Ghandi
Wusstest du, dass Mahatma Ghandi, der wichtigste Aktivist der indischen Unabhängigkeitsbewegung aus Gujarat stammt und auch in Ahmedabad gelebt hat? So gibt es hier noch einen weiteren besuchenswerten Ort, der jedoch nicht durch seine Baukunst Berühmtheit erlangte, sondern durch seinen Bewohner. Der Sabarmati-Aschram,auch Gandhi Aschram genannt, ist ein historisches Zentrum der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Hier am Fluss lebte Mahatma Gandhi von 1917 bis 1930, um den gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft zu organisieren. Von hier aus startete Gandhi am 12. März 1930 den berühmten Salzmarsch. Gandhi schwor, erst dann in den Aschram zurückzukehren, wenn Indien unabhängig sei. Da er danach inhaftiert wurde, kehrte er aber nie wieder hierher zurück.
Die historische Stätte ist Heute ein Museum. In Gandhis Wohnhaus sind sein Spinnrad und persönliche Gegenstände ausgestellt und eine Fotogalerie erzählt aus seinem Leben. Hier hat es sehr viele Besucher und auch Schulklassen, die mehr über Ghandi erfahren wollen. Mich haben auch die tierischen Besucher gefreut, denn ich sehe viele Papageien. Es sind Halsbandsittiche, rose-ringed parakeet.








Jamal Pur Blumenmarkt
Unbedingt sehenswert, aber auch sehr wuselig und chaotisch ist der Blumenmarkt von Ahmedabad. Für mich als Fotografin ist es hier natürlich das Paradies. Ich muss aber früh aufstehen, denn der Markt findet am frühen Morgen statt. Es werden nicht nur Blumen verkauft, sondern auch kunstvolle Blumengirlanden gebunden. Und dass in einem Tempo! Nicht weit vom Blumenmarkt befinden sich noch der Sabarmati Riverfront Flower Park und die Atalbrücke, neue Sehenswürdigkeiten und beliebte Freizeittreffpunkte für die Bevölkerung von Ahmedabad. Und ein grosser Kontrast zur engen und Grauen Altstadt. Eintritt 40RS




































RESTAURANTTIPP: House of MG
Im besten Thali Restaurant der Stadt
An einem Abend gehe ich ganz exklusiv essen, in das, wie es heisst, beste (und teuerste) Restaurant der Stadt, dem Agashiye im Haus of MG. Es ist ein grosses, geschichtsträchtiges, liebevoll und aufwendig restauriertes Haveli das auch ein luxuriöses Hotel beherbergt. Schon an der Rezeption des Restaurants muss ich mir bei der Tischreservation mein Thali, mein Abendessen, aussuchen und auch gleich per Kreditkarte bezahlen. Ich wähle die günstigste Option für stolze 1350RS (hier wird dann nicht nachgeschöpft und auch kein Glace oder Chai-Tee ist im Preis inbegriffen). Für schweizer Verhältnisse sind umgerechnet knapp CHF 13.- natürlich immer noch sehr günstig, für Indien ist dies jedoch mein teuerstes Essen überhaupt. Ich bin gespannt. Gegessen wird auf der grossen Dachterrasse, denn jetzt im Februar ist das Wetter und die Temperatur herrlich dafür. Es ist nicht zu warm aber auch nicht kalt. Gestartet wird mit einem Glas Ingwer-Zitronensaft und einem Glas Buttermilch. Letzteres gibt es hier in Gujarat sehr oft und ist für mich einfach nur iiiii. Ich mags leider gar nicht… Aber wem’s schmeckt, für den ist es sicher sehr erfrischend. Danach kommt ein Kellner mit einem Krug Wasser zum Händewaschen und dann geht es schon los und ich bekomme einen grossen Teller mit verschiedenen Gerichten in kleinen Schalen serviert. Das ist ein Thali. Gegessen wird traditionell von Hand, doch es hat auch Besteck. Auch ein Dessert, eine Art Apfelküchlein ist mit dabei. Sehr lecker und für mich hat die Portionengrösse gereicht. Das Essen wird noch durch zwei Musiker mit traditionellen Instrumenten begleitet.
PS: In Gujarat wird fast ausschliesslich Vegetarisch gekocht. Nur in sehr wenigen Restaurants bekommst du Fleischgerichte. Das Essen ist aber durchweg lecker und auch sehr vielfältig.
Zum Blackbuck Nationalpark bei Velavadar
Nach 4 erlebnisreichen Tagen verlasse ich Ahmedabad in südlicher Richtung. Zuerst ist der Verkehr noch chaotisch und die Strasse von Häuser und Industrie gesäumt, doch dann wird es ländlich und entlang vom Highway ziehen Reis- und Weizenfelder vorbei. Nach ca. 3.5h wird es dann abenteuerlich, denn nun biegen wir rechts ab und die Strasse wird zu einem 1-spurigen Weg. Nun geht es zum Blackbuck Nationalpark und zu meiner Lodge nicht weit vom Gate entfernt. Doch schon hier beginnt die Safari, denn durchs Fenster kann ich die ersten Tiere erspähen – Kraniche und natürlich die dem Nationalpark namensgebende Schwarzbockantilope.

Der Saruskranich ist der grösste fliegende Vogel der Welt und kann eine Höhe von bis zu 1,80 m erreichen. Er ist der einzige in Gujarat brütende Kranich.

Der Jungfernkranich ist die kleinste aller Kranicharten und verbringt den Winter in riesigen Schwärmen von oft tausenden von Vögeln in Indien.

Der eurasische Kranich ist ein weit verbreiteter Wintergast, der sich oft in grossen Gruppen in der offenen Landschaft und den Feuchtgebieten aufhält.
Safari im Blackbuck Nationalpark
Nach einer kurzen Pause in meiner Unterkunft, der Blackbuck Safari Lodge, werde ich um 15 Uhr von meinem Safarijeep abgeholt. Es geht nun in den mit nur 34 Quadratkilometer umfassenden relativ kleinen Nationalpark. Zuerst gibt es aber noch einen Stopp am Gate. Mein Jeepfahrer meldet uns an, dafür braucht er meinen Reisepass. Ich muss hier auch die Kameragebühr bar bezahlen. In Gujarat ist diese für Ausländer sehr teuer, doppelt bis vierfach so hoch wie anderswo. Hier beträgt sie stolze 1660RS. Handys sind übrigens kostenlos. Es steigt noch ein Ranger zu uns in den Jeep.
Zuerst fahren wir ins Wettland, dem Sumpfgebiet vom Nationalpark. Doch der letzte Monsun sei nicht so gut gewesen und so hat es nicht viel Wasser und darum auch nur wenige Tiere und Vögel. Die Kraniche kann ich aber schön bewundern. Sie kommen zum überwintern hierher und fliegen im Sommer zurück in den Himalaya.
Dann geht wieder zurück zum Rangerhaus und auf die andere Seite der Strasse. Nun geht es in das Grasland vom Nationalpark. Das Gras ist schon dürr, braun und etwa Kniehoch. Mich erwartet schon eine grosse Herde von Blackbuck Antilopen. Die Männchen haben ab einem gewissen Alter ein dunkles Fell und imposante und spezielle Hörner. Was für ein Bild!
Die Nilgai Antilopen, die grösste Antilopenart von Indien ist auch zahlreich im Park vertreten und kann ich an verschiedenen Orzen im Grasland entdecken. Die kleine, scheue und seltenere Dschungelkatze kann sich hingegen gut im hohen Gras verstecken, doch ich erspähe eine und kann sie auf Fotos festhalten. Dann sehe ich noch ein Tier, mit dem habe ich hier wirklich nicht gerechnet, den indischen Wolf! Er läuft vor mir durchs Gras auf der Suche nach Beute und ich kann ihn mehrere Male erspähen. Zum Schluss hat er sogar ein Tier gerissen. Als ich den Wolf beobachte, kommen auch noch zwei Hyänen aus dem Busch. Sie haben nicht weit entfernt ihren Bau mit Jungtieren. Eine Hyäne und ein Wolf zu gleichen Zeit! Wo gibt es denn so was. Beide Tierarten sehe ich zum ersten Mal in freier Wildbahn.
Um 18.15 geht die Sonne unter und dann müssen wir schon den Nationalpark verlassen haben. Doch dann muss ich plötzlich Stoooop schreien. Ich habe mitten auf der Strasse eine Schlange erspäht. Unser Safarijeep kann gerade noch anhalten und die Schlange verschwindet blitzschnell im Gebüsch.
Heute habe ich so viele tolle Tierbegegnungen gehabt! Das fängt ja sehr gut an. Der Nationalpark gefällt mir sehr gut! Ausser einem weiteren Jeep und zwei Privatfahrzeugen (die dürfen hier mit der Begleitung eines Rangers auch fahren), habe ich keine weiteren Fahrzeuge gesehen. Der Nationalpark ist wirklich empfehlenswert und ich bedauere es etwas, dass ich keine weitere Safari am Morgen gebucht habe. Ich versuche zwar noch etwas zu organisieren, doch das klappt dann doch nicht, auch zum vom Hotel angebotenen Farmvisit kommt niemand… Tja das ist auch Indien, denn offen nein sagen die wenigsten. Mehr dazu kannst du in meinen Reisetipps für Indien nachlesen. Aber kein Problem, ich weiss mir zu helfen und gehe stattdessen auf einen Morgenspaziergang. Zwar nach der gestrigen Schlangenbegegnung mit einem etwas mulmigen Gefühl, aber wird schon gut gehen…
Abendsafari: 15.15-18.15 Uhr
Kraniche, Eisvogel, Dschungel Cat, Nilgai Anthilope, Blackbuck Antilope, Wolf, Hyäne, Red Snake…
Kameragebühr: 1660RS























































Die Tiere vom Blackbuck Nationalpark
Der Blackbuck Nationalpark wurde vorwiegend zum Schutz der Schwarzbock Antilope gegründet.
Jedoch gibt es hier noch viele weitere besondere Tiere:
Der Brunnen von Sihor
Auf Google Maps habe ich nicht weit von meiner Fahrstrecke von Velavadar nach Bavnagarh einen Brunnen entdeckt, der noch sehenswert sein könnte. Der Brahma Kund von Sihor. Es ist wieder eine ganz andere Art von Brunnen – gross, rechteckig, geometrisch und mit seitlichen Treppen. Nach dem Monsun soll der Brunnen bis oben hin gefüllt sein, jetzt aber nimmt sein Wasserstand kontinuierlich ab. Momentan sind noch zwei Ebenen von Wasser bedeckt. Sihor war einst die prächtige Hauptstadt der Gohil-Rajputen. Doch heute verirren sich hierher kaum Touristen. Darum ist der Brunnen aus dem 12. Jahrhundert auch nicht so herausgeputzt und sauber, dafür aber authentisch und er gibt mir einen Einblick ins Gujarat abseits der Touristenpfade.








«Ferien» mitten in Bhavnagar
Schon wieder besuche ich eine Stadt und auch dieses Mal werde ich mittendrin übernachten. Doch ich schlafe nicht einfach in einem normalen Hotel, sondern in einem richtigen Palast, dem Nilambag Palace. Dieser hat einen riesen grossen Garten, in dem ich vom Lärm der Stadt gar nichts merke. Darum nehme ich mir auch eine ganz kurze Ferienauszeit. Den grossen Pool des Palastes möchte ich natürlich ausprobieren. Doch die Kamera bleibt nicht lange ungenutzt, denn in den Bäumen in der Nähe entdecke ich Papageien und Flughunde. Mehr über diese Tiere erfährst du in meinem Reisebericht in den Backwaters von Kerala.








HOTELTIPP
Nilambag Palace
Im Jahr 1879 beauftragte der Maharaja von Bhavnagar einen deutschen Architekten mit dem Entwurf des Nilambag-Palastes im Herzen der Stadt. Der imposante Palast enthält darum Einflüsse der europäischen Kolonialarchitektur und ist eine Verbindung von königlicher Pracht und funktionaler Eleganz.
Im Jahr 1984 wurde der Palast in ein Heritage-Hotel umgewandelt, um das historische Erbe zu bewahren und Reisenden zugänglich zu machen. Heute verfügt das Hotel über 27 Zimmer im Palast und weitere im königlichen Cottage, einen Swimmingpool und eine weitläufige Gartenanlagen.








An einer indischen Hochzeit
Im Garten vom Palast wird gerade alles für eine Hochzeit vorbereitet und so kann ich nach dem Abendessen im historischen Speisesaal auch noch eine indische Hochzeit besuchen. Hier werden aber vor allem Gruppenfotos gemacht, während dem sich die Gäste an zahlreichen Buffets verpflegen können. Eine indische Hochzeit geht in Gujarat mehrere Tage und Nächte. Laute Musik gibt es meistens nur bis 23 Uhr, manchmal aber auch bis weit in den nächsten Morgen hinein. Ohropax sind in Indien wirklich Gold wert!
Ans Meer nach Gopnath
Die meisten Gujarattouristen stehen vor Sonnenaufgang auf und fahren von Bhavnagar aus zum Tempelberg Palitana. Dort ist der frühe Morgen die beste Zeit, um die 3000 Stufen bis zu seiner Spitze zu bewältigen. Wie vorhin erwähnt, habe ich Palitana jedoch von meinem Reiseplan wegen dem Fotografierverbot gestrichen. Mein nächstes Ziel liegt nicht auf den normalen Reiserouten, sondern abgelegen direkt am Meer auf einer Klippe. Gujarat verfügt über sage und schreibe 1600km Küstenlinie und ist somit der indische Bundesstaat mit der längsten Meeresküste. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Aber in Gujarat fehlen einfach die Palmen, weshalb die Küsten von Goa und Kerala attraktiver sind für einen Strandurlaub. Aber somit muss ich ganz klar in Gujarat auch einmal ans Meer. Ich übernachte im Gopnath Bungalow. Dieses war früher einmal das Ferienhaus vom Maharadja von Bhavnagar. Es könnte zwar einmal einen neuen Anstrich brauchen, die Athmosphäre und der Meerblick ist aber grandios. Bei Ebbe zieht sich das Wasser weit zurück. Ich mache Spaziergänge der Klippe entlang und in die Umgebung und besuche den Gopnath-Tempel, wo der Legende nach einem Dichter vor etwa 500 Jahren der Hindugott Shiva begegnete. Darum ist es ein berühmter Pilgerort. Momentan ist aber nicht viel los.
HOTELTIPP
Dariya Maha Bungalow
Das Gopnath Bungalow wurde im Jahr 1942 vom Maharaja von Bhavnagar an der Klippe erbaut. Bis zur Eingliederung vom Fürstenstaat ins unabhängige Indien im Jahr 1948 diente der Gopnath Bungalow der königlichen Familie als idyllische Sommerresidenz, die sie von April bis September nutzten
Der Komplex wurde im europäischen Kolonialstil errichtet. Die Gebäude umschliessen einen Hof mit direktem Blick auf die Bucht von Khambhat. Heute beherbergt das Bungalow 10 Gästezimmer.
Auf der Insel Diu
Etwa 4 Stunden dauert die Fahrt bis zur kleinen Insel Diu – zuerst idyllisch auf kleinen, schmalen Strassen, dann langweilig und ereignislos aber sehr zügig über die Autobahn. Jetzt verlasse ich schon wieder Gujarat, denn die Insel gehört nicht dazu, sie ist ein Spezialfall, ein indisches Unionsterritorium. So muss mein Fahrer bei der Polizeistation vor der Brücke zur Insel anhalten und sich wie überall beim befahren eines anderen Bundesstaates eine Genehmigung einholen.
Reisetipp: wenn du verschiedene Bundesstaaten auf deiner Reise besuchst, dann achte darauf, dass dein Fahrer die betreffenden Permits besitzt, am besten ein All India Permit, denn damit sparst du dir sehr viel Zeit, da sonst bei jeder Grenze zuerst der Grenzposten angefahren werden muss.
Meine erste Anlaufstelle auf Diu ist ein kleiner Shop, zu dem mich mein Fahrer führt, denn ich muss wieder Geldwechseln. Wie legal das ist, weiss ich nicht, auf jeden Fall bekomme ich für CHF 100 fast 1000RS mehr wie am Flughafen, das sind ungefähr CHF 10.-. Einen guten Wechselkurs gibt es hier!
Brauchen tu ich mein Geld aber noch nicht, denn die Sehenswürdigkeiten von Diu sind kostenlos, selbst für meine Kamera. Vieles wird aber momentan renoviert, restauriert und ausgebaut. Die Altstadt ist eine einzige Baustelle und auch die Strasse wird neu gemacht. Nur die grosse von den Portugiesen gebaute Kirche kann ich mir anschauen.
Warum gehört Diu nicht zu Gujarat?
Diu ist eine knapp 39 Quadratkilometer grosse Insel. Sie war jahrhundertelang ein wichtiger strategischer Handelshafen. Von 1535 bis 1961 war sie eine portugiesische Kolonie. Erst 13 Jahre nach der indischen Unabhängigkeit 1948 kam Diu schlussendlich zu Indien. Administrativ gehört Diu heute zusammen mit Daman, Dadra und Nagar Haveli zu einem gemeinsamen indischen Unionsterritorium, das direkt von der Zentralregierung in Neu-Delhi verwaltet wird. Auf Diu ist Alkohol im Gegensatz zu Gujarat erlaubt, weshalb hat sich die Insel zu einem beliebten Urlaubsort entwickelt hat. Diu bietet eine perfekte Mischung aus europäischem Flair, faszinierender Natur und indischer Kultur.
Das Fort von Diu
Das Highlight von Diu ist aber sicher das Fort mit seinen dicken und hohen Mauern. Die 1535 von den Portugiesen errichtete Anlage diente als strategischer Stützpunkt und Schutz vor den indischen Moguln. Sogar nach dem Zusammenschluss der Fürstenländer zum unabhängigen Indien konnte Diu 13 weitere Jahre als portugiesische Kolonie bestehen bleiben und wurde erst 1961 von Indien annektiert. Noch Heute kann ich die grossen Kanonen mit Blick aufs Meer bewundern.
















Am Sandstrand von Diu
Etwa eine halbe Stunde Fahrt von der Altstadt, gleich beim kleinen Flughafen, befindet sich der grosse öffentliche Strand von Diu. Am Meer ist viel los. Es werden diverse Wassersportaktivitäten und auch Quadfahrten angeboten. Ich mache aber lieber einen langen Strandspaziergang.
Am weissen Sandstrand hat es auch viele Berufskollegen, Fotografen, die kleine Fotoshootings für indische Touristen anbieten. Einer hat Glück und verdient an mir auch etwas, denn ein Paar aus Ahmedabad möchte gerne mit mir zusammen ein Gruppenfoto und stellt dafür den Fotografen an. Klar schlage ich ihnen diese Bitte nicht ab.








Ich bereue es etwas, dass ich nicht im Meer schwimmen bin, denn diese Bucht wäre im nach hinein wirklich perfekt dafür geeignet. Es hat keine Wellen oder Strömung und das Wasser ist nicht zu tief aber auch nicht zu seicht. Ein abgelegeneres Plätzchen hätte ich auch sicher gefunden, wo ich im Bikini hätte schwimmen können, denn die Inder gehen in ihren Kleidern ins Wasser.Darum war es auch etwas komisch in meinem Hotel am Pool, wo eine grosse Tafel darauf hinweisen muss, dass das Schwimmen nur in Badekleidung erlaubt ist. Und diese wird hier sogar vom Bademeister ausgeliehen! Das Radhika Resort erinnert mich richtig an eine moderne Ferienanlage, die überall auf der Welt stehen könnte. Nach meinen letzten zwei doch sehr historischen und indischen Übernachtungsorten fast ein kleiner Kulturschock 😉 Vom Resort muss ich nur die Strasse überqueren, dann bin ich schon am Meer. Falls du gerne einen kurzen Strandurlaub auf deiner Gujaratreise machen möchtest, ist hier ein perfekter Platz. Ich bleibe jedoch nur eine Nacht.
Frischer Fisch direkt aus dem Meer
Auf Diu gibt es natürlich auch einen grossen Fischmarkt. Dieser befindet sich immer direkt am Hafen. Auf einer grossen gedeckten Marktfläche wird der frische Fang verkauft und um den Preis gefeilscht. Fangfrischer Fisch, Krabben und Shrims, aber leider auch Haie und Rochen werden angeboten. Ich habe dir hier ein paar Fotos der verschiedensten Fische, die hier verkauft werden. Einfach durchklicken wenn du es sehen möchtest sonst einfach weiterscrolen.
Der Fischmarkt von Vanakabra
Heute ist schon vor Sonnenaufgang Tagwacht, denn ich gehe auf den Fischmarkt von Vanakabra, einem Dorf ganz im Westen der Insel. So wirklich früh ist es aber nicht mehr, denn Indien hat nur eine Zeitzone, die für das ganze Land gilt. Im Osten in Arunachal Pradesh ist der Sonnenaufgang zum Beispiel schon um 5 Uhr früh, während dem die Sonne in Gujarat erst um 7 aufgeht, da sich Gujarat ganz im Westen von Indien befindet. Ich muss somit erst um 6.30 los fahren und erlebe den Sonnenaufgang im Hafen – eine ganz tolle Stimmung. Der Fischmarkt ist einer der grössten, den ich in Indien je gesehen habe. Er ist schon im vollen Gange. Die grossen Holzkutter werden gerade entladen. Bei einigen landet der frische Fisch direkt in Tuktuks, die ihn dann abtransportieren. Ich habe noch das Glück eine Schiffstaufe zu sehen. Die Familie verewigt dazu ihre Handabdrücke mit Farbe auf dem Schiffsrumpf.




















In der Mitte vom Platz sind die Stände mit dem teuren Fisch, wie den Gelbflossentunfischen, die schön auf kleinen Tischen ausgebreitet sind. Die anderen Fische liegen auf dem Boden und auch Vögel bedienen sich an diesem Festmahl. Im Gegensatz zu den Fischmärkten von Kerala sind hier mehrheitlich Frauen, die um den Fisch feilschen.
Auch spannend zu beobachten ist, wie grosse Eisblöcke mit Traktoren angeliefert und dann von einer Maschine zerkleinert werden. Das Crush- Eis landet dann direkt in der Luke vom Fischkutter oder auf den Verkaufstischen der Händler. Eine andere Kühlung gibt es nicht. Darum esse ich auch nur Fisch an den Orten am Meer.








Auf einem kleinen Platz nebenan wird auch getrockneter Fisch verkauft. Diesen sehe ich auch am Rand vom Markt hängen, denn der Fisch wird in der Sonne getrocknet und so länger haltbar gemacht. Dieser stinkt aber sehr stark.












Tipps für den Fischmarktbesuch:
Der Tempel von Somnath
Dann geht es schon wieder zurück nach Gujarat. Der berühmte Tempel von Somnath liegt auf halber Strecke zwischen Diu und San Gir, meinem nächsten Ziel. Darum möchte ich mir natürlich diesen berühmten Pilgertempel direkt am Meer anschauen. Heute ist jedoch Sonntag – der Ausflugstag der Inder – und so hat es sehr viele Besucher beim Tempel und eine lange Schlange beim Eingang und Sicherheitscheck. Ja richtig gehört, den gibt es hier, denn in den Tempelbereich darf nichts rein genommen werden, keine Taschen und leider nicht einmal eine Kamera. Darum sehe ich auch schon die Profifotografen auf Kundschaft warten – für Erinnerungsfotos vor dem Tempel. Ich kann nur von aussen an einigen wenigen Punkten Fotos machen, denn eine hohe Mauer umgibt das Gelände, was sehr schade ist und ich mir anders vorgestellt habe. Da der Parkplatz zudem sehr weit weg ist und ich als Nicht-Hindu auch nicht in den innersten Bereich vom Tempel komme, beschliesse ich, nicht mehr für eine Besichtigung ohne Kamera zurück zu kommen, sondern weiter zu fahren. Denn mein nächster Übernachtungsort ist eines der Highlights von Gujarat, der Sasan Gir Nationalpark. Hier habe ich dir aber zuerst ein paar Impressionen vom Tempel und den Pilgern.












Warum ist der Tempel von Somnath so bedeutend?
Der Ort Somnath ist aufgrund seiner Lage an einem Triveni Sangam – dem Zusammenfluss von drei Flüssen – seit der Antike ein wichtiger Pilgerort. Der Somnath-Tempel gilt zudem als der heiligste der zwölf Jyotirlinga-Schreine des Gottes Shiva. Somnath heisst übersetzt „Schützer des Mondgottes“. Der Tempel gilt heute als kraftvolles Symbol der kulturellen und religiösen Wiedergeburt des Landes, da der Tempel nach mehrfachen Zerstörungen immer wieder prachtvoll aufgebaut wurde, zuletzt 1951 nach der Unabhängigkeit Indiens.
Auf zur Safari im Sasan Gir Nationalpark
Vom Tempel aus fahre ich weiter ins Landesinnere und die Landschaft wird wieder hügeliger. Der Sasan Gir Nationalpark ist der berühmteste Nationalpark von ganz Gujarat, denn er ist die Heimat der letzten asiatischen Löwen von Indien. Ja richtig gelesen, in Indien gibt es frei lebende Löwen! Hast du das gewusst?
Die Tiere vom Sasan Gir Nationalpark
Der Sasan Gir Nationalpark gilt als eines der wichtigsten Naturschutzgebiete von ganz Asien. Denn hier im Herzen von Gujarat ist der letzte verbliebene natürliche Lebensraum des asiatischen Löwen. Einst war das Gebiet ein privates Jagdgebiet der Nawabs von Junagadh. 1900 stellten diese es dann aber unter Schutz. 1965 wurde es zum offiziellen Nationalpark erklärt, um die Löwen vor dem sicheren Tod zu bewahren, denn Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur noch etwa 20 wild lebende asiatische Löwen. Dank strenger Schutzmassnahmen ist die Population auf heute fast 900 Tiere angewachsen.
Neben den majestätischen Löwen beherbergt der Park etwa 40 weitere Säugetierarten, auch Leoparden, sowie mehr als 300 Vogelarten. Hier möchte ich dir einige Tiere genauer vorstellen:
Safari 1: Morgensafari und meine ersten Löwen
Schon vor Sonnenaufgang um 6.20 Uhr fahre ich zum Nationalparkeingang, wo ich meinen Jeep mit Fahrer, meinen Naturalisten und meine Route zugewiesen bekomme. Dann gehts los! Zuerst ist es noch sehr dunkel und auch kalt, ich trage 2 Pullis, eine leichte Daunenjacke, Stulpen, Stirnband und Safari-Hals/Nasentuch. Doch sobald die Sonne aufgeht, wird es schnell wärmer. Ich höre nach einer kurzen Fahrt den ersten Löwen brüllen! Was für ein Ton! Nur leider zeigt er sich nicht und bleibt im Dschungel verborgen. Der Wald ist sehr trocken und darum habe ich zu dieser Jahreszeit eine grössere Chance auf Tiersichtungen und eine bessere Sicht, als direkt nach dem Monsun, wenn alles viel grüner ist. Trotzdem bin ich etwas enttäuscht, denn viele Tiere sehe ich nicht. Doch fast am Ende der Safari halten wir an, da unser Naturalist eine unübliche Anzahl von Krähen erspäht. Irgendwo im Dickicht muss ein Kadaver liegen. Das hier sei das Revier eines Leoparden, vielleicht bekommen wir diesen zu Gesicht. Doch nein, eine Löwin läuft mit ihrem Jungen an uns vorbei. Meine ersten Löwen vor der Kamera! Sie gehen ins Gebüsch in Richtung des Kadavers und legen sich in dessen Nähe hin. Schade können wir ihnen nicht länger zuschauen, doch wir müssen spätestens um 9.30 Uhr den Park verlassen. Plus 5 Minuten sei noch ok, mehr aber nicht. Nun heisst es Gas geben und zum Ausgang preschen. Uns kommen schon Jeeps entgegen, denn um 9.30 startet ein weiterer Safari Slot bis 12 Uhr. Aber wir schaffen es ohne Busse. Zurück in der Lodge gibt es ein sehr spätes Frühstück gefolgt von einem Mittagslunch. Es bleibt noch etwas Zeit um meine Akkus zu laden, die der Kamera und mir, denn um 14.30 gehts schon wieder los zur Abendsafari.
6.45-9.30
Pfauen, Adler, Sambar, Axsishirsche, LÖWEN
Route 13
























Safari 2: Abendsafari im Sasan Gir Nationalpark
Nun bekommen wir Route 8 zugewiesen. Das ist eine der kürzeren Routen, deshalb trödelt der Fahrer und Naturalist anfangs unglaublich lange rum bis wir überhaupt losfahren. Zum Schluss müssen wir jedoch wieder rasen um pünktlich den Nationalpark verlassen zu können, genau dort wo sich Route 8 von Route 13 unterscheidet und es interessant würde. Unser Guide hat gemerkt, dass ich das nicht so lustig finde und etwas stinkig wurde ;-), denn ich mag es auch, bei schönen Landschaften anzuhalten oder auch bei nicht so raren Tieren wie den spotted Deers, den Axishirschen. Er erklärt mir dann aber, dass wir, wenn wir früher los wären, das Revier eines Löwen zu früh passiert hätten und unsere Chance wäre kleiner gewesen ihn zu sehen. Tja so oder so zeigt er sich nicht… wenigstens sehe ich eine kleine Eule, die sich im Astloch versteckt hat.
Beim Stausee hat es einen Rangerturm und dort ist es möglich kurz aus dem Jeep zu steigen und sich die Beine zu vertreten. Jetzt ist es warm, ich brauch bis zum Schluss keine Jacke.
15.30-18.00
Pied Kingfisher, Zwergohreule, Hanuman Languren, Sambar, Pfau, Axishirsche
Route 8




















Safari 3: Abendsafari mit Löwensichtung
Heute habe ich einen anderen Guide, Fahrer und die Route 9 bekommen. Diese führt in eine ganz andere Richtung und ein anderes Gebiet vom Park. Die Landschaft ist sehr schön. Viele knorrige Teackholz- und Gummibäume säumen den Weg. Letztere werden auch Geisterbäume genannt, denn sie sind jetzt in der Trockenzeit ganz Weiss, in der Regenzeit jedoch verfärbt sich die Rinde Rot. Bei einem Wasserloch sehe ich in der ferne einen grossen umgefallenen Baumstamm im Schatten. Dieser entpuppt sich dann aber bei genauerem hinschauen als schlafenden, männlicher Löwen. Er hält hier mit seiner Partnerin sein Mittagsschläfchen, das um 16 Uhr leider immer noch andauert. Wahrscheinlich werden sie erst kurz vor Sonnenuntergang wieder aktiv. Es bringt nichts länger zu warten, da wir nur 20 Minuten in einer Zone bleiben dürfen und heute haben wir auch eine längere Route und so mehr Kilometer zum fahren. Somit können wir nicht länger bleiben und warten, ob die Löwen doch noch aufstehen. Das System hier hat aber schon Vorteile, denn so sind nie viele Jeeps beieinander. In anderen Parks hatte ich schon, dass 10 Jeeps oder mehr bei einer Tigersichtung beieinander standen, sich gegenseitig blockierten und ich dann sehr viel Staub vom voran fahrenden Fahrzeug geschluckt habe. Hier ist alles zum Schutz der Löwen sehr viel strenger geregelt und die Fahrer halten sich auch daran. Es gibt auch Tracker, das sind Ranger mit Motorrädern, die mit einem Stab zur Verteidigung in den Busch gehen, die Löwen suchen und dann bewachen. Sieht darum ein Jeepfahrer ein Motorrad an der Strasse stehen, so weiss er, dass irgendwo in der Nähe ein Löwe sein muss.
Diese Route gefällt mir sehr gut, auch wenn keine weitere Löwen mehr auftauchen. Es ist hügeliger, ursprünglicher und abwechslungsreicher als die beiden anderen Routen.
15.15-18.00
Crested serpend Eagle, Brahmakauz, Wellenbrust-Fischuhu, 2 schlafende Löwen, Sumpfkrokodil, Sambar, Languren, Axishirsch, Mongoose
Route 9
Tipps, Fragen und Antworten zu Safaris im Sasan Gir Nationalpark
rund um die Reiseplanung:
rund um das Fotografieren:
Vögel im Sasan Gir Nationalpark
Der Sasan Gir Nationalpark gibt es mehr als 300 Vogelarten. Diese beschränken sich natürlich nicht nur auf den Nationalpark, sondern könnten auch im Umland und in den Hotelgärten entdeckt werden. Hier möchte ich dir einige der Vögel etwas genauer vorstellen:
Birdwatching beim Sasan Gir Nationalpark
Um 7.30 starte ich meine 2.5h stündige Birdwatchingexkursion mit dem Naturalisten meiner Lodge. Doch oh weh, es ist alles Weiss, heute Morgen hat es Nebel! Doch dies hält mich natürlich nicht ab und um 8 Uhr kämpft sich die Sonne auch schon hindurch. Ich bin jedoch froh gerade Heute morgen keine Safari gebucht zu haben, denn beim Birdwatching ist Nebel weniger schlimm. Wir laufen zum nahen Fluss Hiran, denn dort nisten und leben viele Vögel.




























Doch es hat auch Krokodile im Wasser! Und nicht etwa so klitzekleine, sondern richtig grosse. Ein lautes Pflatschen hinter mir und dann kämpfen zwei Sumpfkrokodile im Fluss miteinander. So etwas habe ich auch noch nie live gesehen. Jetzt erst sehe ich ihre wahre Grösse, denn vorher haben nur die Augen und Nasenlöcher aus dem Wasser geschaut. Sie sind auch unglaublich schnell. Gut bin ich hier nicht alleine unterwegs, denn ich kann es schlecht einschätzen wann sie eine Gefahr sind.








HOTELTIPP
Gir Birding Lodge
Meine Safari Lodge liegt direkt an den Nationalpark angrenzend auf einer grossen Mangoplantage. 700 Mangobäume wachsen hier, die jetzt Mitte Februar gerade in voller Blüte stehen. Am Rande verteilen sich kleine Bungalows mit Terrassen mit Blick in die Plantage. Mir wird erzählt und dies auch mit Fotos belegt, dass auch schon Löwen und Leoparden in den Garten der Lodge gekommen sind, also sollte vor allem nachts nicht alleine herumgelaufen werden.




Auf der Mangoplantage
Abends um 16.30 gibt es den Farmvisit in der Lodge. Natürlich gehe ich da auch hin, denn ich will mehr über die Mangoplantage erfahren. Wir schauen uns die Farm an und entdecken dabei auch viele Vögel und Tiere, die hier auf Besuch kommen. Die Languren sind aber nicht so gerne gesehen, da sie die Blüten der Mangos abfressen. Auch einen Schakal sehe ich mitten durch den Garten laufen.












Welches sind die besten Mangos von Gujarat?
Gujarat ist einer der grössten Mangoproduzenten Indiens. Die unangefochtene Königin der Mangos von Gujarat ist die Sorte Gir Kesar. Sie ist bekannt für ihr safrangelbes Fruchtfleisch und intensives Aroma. Sie wächst hier an den Ausläufern des Girnar-Gebirges und wird zwischen April und Juli geerntet. Jetzt im Februar gibt es natürlich keine frischen Mangos zu kaufen, es hat jedoch etliche Verkaufsstände entlang der Strasse, die Mangosirup/Saft anbieten. Ich kaufe mir natürlich auch eine kleine Flasche für 150RS zum probieren. Ich verdünne den Saft mit Wasser. Wirklich sehr lecker. Ab jetzt gehört reines Wasser trinken auf dieser Reise der Vergangenheit an!



Sightseeing in Junagadh
Nun folgen zwei lange Fahrtage bis ins Herz der riesigen Region Kutch an der Grenze zu Pakistan mit je ca. 6h Fahrt. Das erste Teilstück unterbreche ich jedoch schon bald mit den Besichtigungen in Junagadh. Die Landschaft ist hügelig und auf einem der kegelförmigen Berge hat es einen Tempel auf seiner Spitze. Hier führt sogar eine Seilbahn hoch, nicht so wie in Palitana wo 3000 Stufen zu bewältigen sind. Ich schaue mir jedoch etwas ganz anderes an.
Mahabat Maqbara
Das Mahabat Maqbara Mausoleum ist ein architektonisches Meisterwerk des späten 19. Jahrhunderts. Es ist berühmt für seine auffällige Verschmelzung von indo-islamischen, gotischen und europäischen Baustilen und beherbergt die Mausoleen von ehemaligen Herrschern, den Nawabs von Junagadh.
Ich erschrecke etwas über die Kameragebühr von 885RS beim Tickethäuschen, doch das Mahabat Maqbara sieht einfach gigantisch aus mit seinen 4 Türmen und der Wendeltreppen. Irgendwie wie aus einer anderen Welt. Und doch habe ich vor dieser Reise noch nie etwas über dieses Bauwerk gehört.
Eintritt Ausländer 100RS, Kameragebühr 885RS
Die Altstadt von Junagadh und das Uparkot Fort
Nach der Besichtigung vom Glockenturm Sardar Patel Darwaja (Darwaja heisst Eingangstor) von aussen und der ihrem Namen gerecht werdenden Altstadt, geht es zur Festung von Junagadh, dem Uparkot Fort.
Beim Uparkot Fort kommen ebenfalls zum Eintritt von 500RS noch 885RS Kameragebühr dazu. Langsam mache ich mir etwas sorgen, ob mein Bargeld noch reicht bis zur nächsten grossen Ortschaft, denn nun scheinen alle Sehenswürdigkeiten Eintritt und eine Kameragebühr zu kosten und das für indische Verhältnisse nicht zu knapp.
Das Uparkot-Fort ist eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Festungsanlagen Indiens. Die Anlage erstreckt sich über ein zentrales Plateau mitten in der Stadt. Schon 319 vor Christus soll die Festung gegründet worden sein und es gibt auch buddhistische Höhlen. Im Laufe der Jahrhunderte prägten verschiedene Herrscher das Areal. Die Festungsmauern sind bis zu 20 Meter hoch. Das Fort wurde 16 Mal angegriffen und soll einer Sage nach einer bis zu 12 Jahre andauernden Belagerung standgehalten haben. Das Fort wurde erst kürzlich neu renoviert und zeigt sich jetzt mir von seiner besten und saubersten Seite.
Es ist ein schöner Ort zum verweilen und der Hektik der Stadt zu entfliehen. Es hat viel Grün, Schatten und schöne Ausblicke auf die Stadt. Es gäbe auch Elektrowagen mit denen man sich herumfahren lassen könnte, denn die Anlage ist sehr gross. Dadurch verteilen sich aber die Besucher auch sehr gut.
















Es gibt 3 Stufenbrunnen auf dem Gelände. Die sind sehr fotogen, da Fels und Treppen so gut zusammen passen. Die Brunnen sind bis zu 60 Meter tief. Der Adi Kadi Vav und Navghan Kuva sind die schönsten, doch ich darf auch in den dritten Brunnen schauen. Der Wächter will ein Selfie mit mir und öffnet mir als Dank das Tor.
In der Mitte der Anlage steht ein grosses, modern aussehendes Gebäude. Ich dachte zuerst, das sei keines Blickes Wert, doch das Innere überrascht, denn das ist schon sehr alt und hätte ich so von aussen nicht erwartet. Im Innern verbirgt sich der 140- säuligen Gebetssaal der Jama Masjid, der alten Moschee vom Fort. Übrigens bedeutet der Name «Junagadh» übersetzt «Alte Festung».
Eintritt Ausländer 500RS, Kameragebühr 885RS















