In den blauen Bergen von Kerala

Grün, so weit das Auge reicht – der Duft von frischem Kaffee, Tee und Kardamom, der mich umweht – der Ruf vom Hornbill, der durch den Dschungel hallt – eine Prise Adrenalin beim Wandern durch Elefantenterritorium und ein reich gedeckter Frühstückstisch, der mich erwartet. So sollte Urlaub sein! All das und noch vieles mehr gibt es in den Nilgiribergen von Kerala zu entdecken. Dorthin möchte ich dich jetzt mitnehmen, in die Teeplantagen von Munnar, auf dir Gewürzfarmen von Thekkady und in das noch Recht unbekannte Nordkerala ins grüne Paradies von Wayanad.

Reisen in den Nilgiri Bergen

Wo lohnt es sich zu übernachten? Was soll ich besichtigen? Was werde ich sehen? Was ist Kardamom? Dies und viele weitere Fragen und Tips für Reisen in den Bergen von Kerala werde ich dir nachfolgend beantworten. Fangen wir mal mit der Frage an: Was sind die Nilgiriberge überhaupt?
Der Westküste von Indien entlang zieht sich ein hoher Gebirgszug, der Westghats genannt wird. Kerala ist darum sehr hügelig und bergig und tropisch grün, da sich an den Bergen die Wolken stauen und es viel regnet. Dieses Gebiet wird Nilgiri genannt, die blauen Berge.
Die Westghats sind ein langes Gebirge an der Westküste Indiens. Sie erstrecken sich von Gujarat bis zur Südspitze Indiens durch sechs Bundesstaaten, trennen das Dekkan-Plateau vom Arabischen Meer und sind ein UNESCO-Weltnaturerbe. Die Berge wirken als Barriere für den Monsun und verursachen starke Niederschläge. Dies macht die Region äusserst fruchtbar und artenreich. 
Der südliche Teil der Westghats in den Bundesstaaten Tamil Nadu, Karnataka und Kerala wird auch Nilgiris, die „blauen Berge “, genannt.

Munnar

Meine Reise in die Teeberge von Munnar

In 2 bis 3 Stunden Fahrt erreiche ich vom Meer und dem internationalen Flughafen Kochi schon die Nilgiriberge. Die Bergregion von Munnar ist berühmt für seinen Tee und die schönsten Teegärten von Kerala. Die Engländer brachten die Teepflanzen im 19. Jahrhundert während der Kolonialzeit in die Nilgiris. Munnar wurde eine ihrer Hill Stations. Noch Heute ist Munnar ein beliebter Ferienort um der Hitze des Tieflandes zu entfliehen, denn die Region ist zwischen 1100-1800 Meter hoch gelegen. Auch ich geniesse die angenehmen Temperaturen und wähle Munnar als erste Destination meiner Rundreise durch Kerala um mich langsam an die sommerlichen Temperaturen in Südindien im Februar zu gewöhnen.

Ich liebe es, eine Gegend zu Fuss zu entdecken. Wanderungen sind in Munnar zu verschiedenen Aussichtspunkten und Bergspitzen möglich. Doch zum Star von Munnar – dem Tee – zu spazieren, ist es überhaupt nicht so einfach. Denn die Teeplantagen sind privat und meistens eingezäunt! So einfach kommt man da leider nicht hinein. Eine Möglichkeit sind Gruppenführungen mit Teagardenwalk z.B. in der Lookhart Tea Estate. Diese gehen aber oftmals nur 1 bis 2 Stunden. Oder dann musst du ein Hotel buchen, dass auf einer Teeplantage liegt. Diese zweite Variante habe ich gewählt – ein wahrer Glücksgriff. Um zu meinem Resort zu gelangen muss ich von beiden Seiten her durch die Pallivasal Tea Estate. Zum Glück werde ich dazu vom Hoteljeep abgeholt, denn der Feldweg ist nichts für normale Fahrzeuge.
Ich darf vom Tea Valley Resort aus ganz alleine durch die Teeplantage wandern. Dass ich dabei natürlich super Fotos machen kann und schöne Kontakte mit den Teearbeitern habe, muss ich nicht gross erwähnen, am besten lass ich nun die Fotos sprechen:

Vieles über die Region, den Tee und seiner Geschichte erfahre ich im Teemuseum in Munnar. Am Ende vom Rundgang gibt es natürlich auch einen grossen Shop mit ganz unterschiedlichen Teesorten der bekannten Ripley Teeplantage. Wusstest du, dass schwarzer-, grüner- und weisser Tee alle von der gleichen Pflanze stammen?

Neben der Pflanzenart unterscheidet die Ernte und Verarbeitung ob es grünen Tee oder schwarzer Tee gibt. Es gibt jedoch noch Spezialsorten. Weisser Tee ist mit Abstand der Teuerste, da hier nur das jüngste und zarteste Blatt verwendet wird. Auch speziell ist der First Flush Tee, die erste Ernte nach der Winterpause. Die frühen Teeblätter im Frühling sind besonders zart und ergeben einen frischen und aromatischen Tee. Der First Flush wird momentan gerade geerntet. Hier habe ich dir einige Fotos vom Teepflücken auf der Pallivasal Tea Estate:

Übernachten auf den Teeplantagen:

Tea Valley Resort

Sehr empfehlen kann ich das Tea Valley Resort. Zwar liegt es etwas abgelegen und ist nur über eine Schotterpiste erreichbar, doch befindet es sich dadurch direkt in der Teeplantage mit Blick auf das Tal. Andere Leute dürfen die Teeplantage nicht betreten! Es hat meiner Meinung nach ein super Preis/ Leistungsverhältnis, gutes Essen und auch einen schönen Garten mit Pool. Einzig gut zu Fuss sollte man sein, denn die Zimmer sind nur über Treppen zu erreichen. Es gibt auch verschiedene Aktivitäten wie Kochkurs, Handtücherfalten, Teatime, Lagerfeuer, Spiele etc. Schade ist nur etwas, dass die nahe beieinander liegenden Zimmer nicht so gut isoliert sind, so dass ich andere Gäste höre, wenn diese z.B. um 4 Uhr zu einem  Sonnenaufgangsausflug aufstehen und typisch indisch nicht leise sind.
Umgeben ist das Hotel von grossen Eukalyptusbäumen und einem kleinen Dschungel.

Windermere Estate

Im gehobeneren Windermere Estate habe ich auf meiner ersten Reise nach Munnar übernachtet. Noch immer schwärme ich von dem feinen Essen, insbesondere dem Kardamompudding, den ich dort geniessen konnte. Auch die wunderschönen Sonnenuntergänge bleiben mir in bester Erinnerung. Die Zimmer befinden sich in kleinen Steinhäusern, was mir einen richtiggehend kolonial-bergigen Flair vermittelt hat.
Das Windermere liegt auf einer Kardamomplantage, hat neu auch einen Pool und bietet verschiedene Aktivitäten an. Ich hatte zb. bei der Wanderung durch die Kardamomplantage zur Teeplantage mitgemacht. So eine geführte Wanderung ist nie verkehrt bei einer ersten Reise, da du dann oftmals viele Informationen, auch zu Fauna und Flora, vom Guide erhältst.

The Tall Tree Resort

Das luxuriöse Tall Tree Resort liegt am Rande der Pallivasal Teeplantage versteckt im Wald. Da hier Freunde von mir übernachtet haben, durfte ich es besichtigen und auch an der Teedegustation teilnehmen. Ganz toll ist die verstreute Lage der grossen Bungalows unter wunderbaren und riesigen Bäumen. Hier sehe ich auch ein grosses Malabar Squirell (mehr zu diesem erzähle ich dir weiter unten). Das Hotel hat ein Hallenbad, was sicher nicht schlecht ist während der frischeren Reisemonate von November bis Februar. Auch dieses Resort bietet diverse kostenlose Aktivitäten und Wanderungen und hat sehr freundliche Mitarbeiter.

Wanderung in der Pallivasal Teeplantage

Besonders schön finde ich eine Wanderung im Teegarten am frühen Morgen oder Abend, denn dann ist die Lichtstimmung speziell und es gibt richtig tolle Fotos. Hier einige Impressionen vom Sonnenuntergang in der Teeplantage:

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich in einer Teeplantage wilde Tiere antreffe, doch plötzlich schiesst vor mir etwas braunes über den Schotterweg. Ein Mundjak! Das ist eine der kleinsten und scheusten Hirscharten von Indien. Sie leben hier im Umland von Munnar, den Wäldern und auch auf den Teeplantagen, wo sie das Gras und Unkraut zwischen den Sträuchern verspeisen. Ihre Grösse ist perfekt geeignet für die Teeplantage, denn sie können sich in den Büschen verstecken. Ein zweites Muntjak kann ich dann noch erspähen und auch fotografieren, denn es denkt, dass wenn der Kopf im Busch steck, dann sei der Popo auch unsichtbar…

Muntjak

Der Indische Muntjak wird oft als „Barking Deer“ (Bellhirsch) bezeichnet, denn sie sind für ihre bellenden Alarmrufe bei Gefahr bekannt. Sie sind scheue Bewohner der dichten Wälder und Teeplantagen in Kerala. Muntjaks sind verhältnismässig kleine Hirsche. Sie sind durch ein einfaches Geweih charakterisiert, das nicht länger als 15 Zentimeter wird. Ebenfalls speziell für Muntjaks sind die verlängerten Eckzähne, die bei ihnen leicht nach aussen gebogen sind. Sie werden als Angriffswaffe eingesetzt, während sich die Männchen mit ihrem Geweih verteidigen, denn wie bei fast allen Hirscharten haben nur Männchen ein Geweih.

Auch Hunde stromern durch die Büsche. Meistens sind sie aber in der Nähe der Pflücker und dem Dorf anzutreffen und zum Glück nicht agressiv.
Weiter gibt es hier natürlich viele Vögel zu beobachten. Ich sehe den Hoopoe (Wiedenhopf), Blue-tailed Bee-eater (Blauschwanzspint) und besonders häufig den Red whisket Bulbul. Mit ihren roten Backenfedern und dem schwarzen Kamm gefallen sie mir besonders gut.

Red whisker Bulbul

Der Rotohrbülbül ist in Kerala ein sehr häufiger, lebhafter Singvogel. Ich kann ihn sehr nahe auf der Teeplantage fotografieren und beobachten. Und durch seinen kurligen Name kann ich ihn mir auch gut merken. Der Bulbul ist zudem gut an seiner markanten abstehenden schwarzen Haube, dem weissen Bauch und dem roten „Whisker“- Fleck hinter den Augen zu erkennen. Daher kommt auch der englischer Name. Die Bulbuls leben in Paaren oder kleinen Gruppen und ernähren sich von Früchten, Nektar und Insekten.

PS: Manchmal besuchen auch Elefanten die Plantage. Sie haben es jedoch nicht auf den Tee abgesehen, sondern auf die Pflanzen und Früchte, die hier auch noch wachsen.

Tipp Wanderung auf der Teeplantage:

Auf den Teeplantagen wird am Sonntag nicht geerntet, dann haben die Arbeiter frei. Darum sind die Teefabriken (einige können besichtigt werden) am Montag geschlossen.
Gutes Schuhwerk ist empfehlenswert, da es unebene Naturwege sind, zudem könnte es auch Schlangen haben.
Eine Wanderung auf der Teeplantage ist eher anstrengend, denn die Teesträucher wachsen in Munnar immer an den Berghängen, somit geht es immer rauf und runter.
Angenehme Temperaturen und schöne Lichtstimmungen gibt es Morgends und vor dem Sonnenuntergang.
Es ist trotz der Lage auf über 1000 Meter an der Sonne sehr heiss. Wasser, Sonnencreme, Mütze und ev. Regenschirm als Sonnenschutz sind empfehlenswert.
Am Wochenende hat es sehr viele Ausflügler. Wenn möglich diese Zeit meiden.

Ausflüge rund um Munnar

Von Munnar aus sind verschiedene Ausflüge möglich – per Auto, Jeep oder zu Fuss. Zudem hat es eine riesen Bandbreite an weiteren Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten wie Glasbodenbrücke, Zip-Line, Teemuseum, Elefantensafari (nicht zu empfehlen!), Gemüsefarmen, Gewürzgärten, Schokoladenmanufacturen etc. Vieles ist hier aber eher für indische Touristen ausgelegt, und trifft nicht so meinen Geschmack. Bei einem Ausflug zu verschiedenen Stauseen und Viewpoints sollte aber nichts schiefgehen dachte ich, oder etwa doch?

Ausflug zur Top Station:

Ich hatte diesen Ausflug schon 2010 bei meiner ersten Reise nach Kerala gemacht.
Da damals das Wetter nicht 100% mitgespielt hat, wollte ich ihn 2026 nochmals unternehmen – das hätte ich mir jedoch sparen können. Auch das Wetter hat sich leider im Verlaufe des Tages von blauem Himmel und Sonnenschein zu Wolken und Nebel gewandelt. Hier habe ich dir die Fotos von 2010:

Doch schlimmer und trauriger ist für mich zu sehen, was aus den schönen Naturplätzen geworden ist. Vor allem der Ausblickspunkt Top Station. Anstatt durch die Natur wandere ich jetzt 0.5km durch Souvenierkitschbuden. Alles ist eingezäunt. Zuvorderst kann ich dann doch noch etwas Natur erhaschen, muss dafür aber noch 20RS Eintritt bezahlen. Gegen das habe ich ja nichts, aber die Welblechbuden sind eine Katastrophe.

Braucht es hier wirklich ein Dinosaurierkino? Für mich sind die Makaren in den Bäumen viel spannender. Sie scheinen sich aber auch nicht so über das nebelige und frische Wetter zu freuen. Nach der Fellpflege kuscheln sie sich ganz nahe zusammen.

Hier möchte ich dir noch ein paar weitere Fotos von der Fahrt zeigen, denn bis zur Top Station geht der Weg am Mattupetty und Kundala Stausee vorbei durch Eukalyptuswälder. Bei den Stauseen hat es Rastplätze mit Souvenirgeschäften.

Noch ein Stück weiter folgen dann nochmals Teeplantagen. Diese sind besonders schön, da die einzelnen Büsche sehr dicht wachsen. In Munnar ist Tee von diesen hohen Plantagen oft besser und teurer als Tee von den tieferen Lagen. Ganz speziell ist der Kolukkumalai-Tee. Dieser stammt von der höchsten Teeplantage von Munnar auf 2400 Meter über dem Meeresspiegel direkt an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu.

Fahrt durch die Teeplantagen


Die Fahrt zu meinem nächsten Übernachtungsort in der Gewürzregion Thekkady verbinde ich gleich mit dem Besuch der Lockhart Tea Estate. Sie liegt etwa 20 Minuten ausserhalb von Munnar. Die Lockhart Teafactory ist die älteste, bis heute produzierende Teefabrik von Munnar. Bereits 1879 wurde die dazugehörende Plantage gegründet.

Da Heute Sonntag und dazu noch ein Hindu-Feiertag ist, und es darum in Munnar viele indische Wochenendausflügler hat, rechne ich bei der Teefabrik mit dem schlimmsten – Menschenmassen und Verkehrschaos wie beim Teemuseum zwei Tage vorher. Doch ich werde positiv überrascht. Vielleicht liegt das geringe Besucheraufkommen am stolzen Eintrittspreis von 250RS. Das ist für indische Verhältnisse recht teuer (dafür bekommst du z.B. in einem lokalen Restaurant ein Bhiriani, ein Reisgericht).

Achtung, es kann nur mit Karte gezahlt werden! Meine normale Schweizer Debitkarte wird aber problemlos akzeptiert. Bargeldlose Zahlung ist in Indien auf dem Vormarsch!

Die Teefabrik kann nur mit einer Führung besucht werden, diese finden aber bei genügen Besuchern fortwährend statt und man kann spontan vorbei kommen (wahrscheinlich Mittagspause um 13-14 Uhr). Ich muss nur 20 Minuten warten, worauf ich aber schon beim Ticketkauf informiert wurde. Hier klappt die Organisation mal gut. Die Tour mit ca. 15 Besuchern startet dann auch sehr pünktlich. Hier bekomme ich einen Einblick in eine «echte» Teefabrik. Und das schöne ist, ich sehe die Teeverarbeitung nicht nur, sondern ich rieche, schmecke, höre und fühle es auch, denn dort, wo der Tee erhitzt wird, ist es zum Beispiel sehr heiss. Und erst der Duft vom Tee… Zum Schluss kann ich noch verschiedenen Tee degustieren und es gibt auch einen kleinen Shop. Die Auswahl verschiedener Tees ist beim Teamuseum aber grösser. Ich finde, der Besuch lohnt sich, auch wenn man nicht offiziell fotografieren darf. Mir wurden aber ein paar wenige Fotos erlaubt.

Tee Shoppingtipp:

Spezielle aromatisierte Tees mit Rosen, Lemongrass, Kardamom, Ingwer oder einem Gewürzmix (Masala) habe ich bei kleinen Shops z.B beim Pothamedu View Point nahe meinen Hotels gefunden. Auch bei den Teefabriken hat es kleine Shops. Viel günstiger ist es da aber nicht.
Wenn du den Teeverarbeitungsprozess gerne genau festhalten möchtest, so würde ich dir den Besuch vom Teemuseum nahe dem Dorf Munnar empfehlen.

Als wir der Strasse weiter in die Berge entlang der Lockhart Teeplantage folgen, dann kommt bald eine lange Fahrzeugschlange in Sicht. Die nächste Attraktion ist erreicht! Hier darf eine Teeplantage einmal ganz offiziell betreten werden. Die indischen Ausflügler stoppen natürlich alle für ein Selfie oder Gruppenfoto. Gut mögen die Inder aber nicht so spazieren, denn weit gehen sie nicht hinein. Wenn ich ein paar Schritte laufe und um die Ecke biege, bin ich schon fast alleine. Von hier aus starten auch die geführten Wanderungen in die Plantage. Der Unterschied zur Pallivasal Plantage, wo ich übernachtet habe, ist sicher, dass hier die Bäumchen kompakter und geometrischer angeordnet sind. Das muss auch sehr gut von oben aussehen, aber für Ausländer ist in ganz Indien das Einführen und Fliegen von Drohnen verboten. Entlang der weiteren Strasse gibt es aber einige Stoppmöglichkeiten wo ich auf die Plantage runter schauen kann.

Danach geht es den Berg auf der anderen Seite runter und der Anayirankal Stausee kommt in Sicht. Bis an sein Ufer wachsen die Teesträucher – auch ein sehr schönes und fotogenes Plätzchen. Anstatt zur Top Station würde ich in Zukunft lieber hierhin einen Ausflug mit Jeep machen, dann könnte auch noch der eine oder andere Offroad-View Point angefahren werden, z.b. der «Door of Heaven» in der Lokhart Teeplantage.

Kurz nach dem See wird die Strasse wieder schmal und es geht durch Kardamomplantagen und Wälder. Die Region von Thekkady ist berühmt für seine unterschiedlichen Gewürze, die von hier aus in die ganze Welt verschickt werden.

Thekkady

Da wo der Pfeffer wächst

Wusstest du, dass auf einer Gewürzfarm nicht nur 1 Gewürz wächst, sonders es verschiedenste Pflanzen braucht, damit sie sich wohl fühlen? Der Kardamomstrauch braucht z.B. sehr viel Schatten. Dieser wird ihnen von grossen Bäumen gegeben, von Jackfruit-, Mango- oder Zimtbäumen. Daran wachsen wiederum Pfefferpflanzen. Sehr interessant ist eine Führung durch einen Gewürzgarten. Dies ist auch eine Tour für alle Sinne, denn der Guide benennt nicht nur die einzelnen Pflanzen, sondern gibt dir auch einmal Blätter oder Samen zum riechen oder schmecken. Dann macht der Kauf von Gewürzen noch mehr Freude, da du weisst, woher diese stammen und wie sie wachsen.

Der Peryiar Nationalpark

Mitten in der Region Thekkady liegt der Peryiar Nationalpark. Er ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der hier gestaut wurde und eine einzigartige Landschaft und Rückzugsgebiet für Tiere geschaffen hat. Der Nationalpark ist auch ein Tigerschutzgebiet. Ich habe den bekanntesten Nationalpark von Kerala schon auf meiner ersten Reise besucht. Er ist einer der wenigen Nationalpärke in Indien, wo Safaris zu Fuss möglich sind. Die Chance dabei Tiere, vor allem Tiger, zu sehen ist jedoch sehr gering. Doch ich habe wilde Elefanten gesehen! Du gehst mit einem Führer durch den Dschungel, der dir auch etwas zu der Flora und Fauna erzählen kann. Neu sind auch Nachtsafaris möglich.

Bootstouren auf dem grossen Peryiarstausee gibt es auch, aber das ist meiner Meinung nach eine rechte Massenabfertigung und nur mit Glück (hatte ich) kannst du einen Randplatz ergattern. Hier Tiere zu sehen ist sehr schwierig, da die Boote nicht nahe ans Ufer kommen. Die Szenerie und Landschaft ist aber noch ganz schön.

Tickets für den Periyar Nationalpark

Leider können die Wanderungen auch 2026 von Ausländern nicht vorgängig selber gebucht werden, da es zum bezahlen eine indische Kreditkarte braucht. Indische Reisebüros können es dir jedoch gegen eine Gebühr von ca. 1000RS buchen. Doch für Alleinreisende ist es ein verhältnismässig teures und sehr ungerechtes System, da bei einigen Wanderungen 2 bis 4 Plätze im Minimum bezahlt werden müssen. So würde ich zb. anstatt 400 RS für den Nature- oder Greenwalk als Alleinreisende 1600 RS bezahlen. Genau gleich viel wie wenn du eine Gruppe von 4 Personen wärst! Dazu kommt noch der Parkeintritt von 500RS, Kameragebühren und Shuttleservice. Das finde ich nicht gerecht und unterstützungswürdig!
Vor Ort könnten auch Tickets gekauft werden, doch die Chance ist gross, dass diese schon ausverkauft sind, da nur eine limitierte Anzahl von Tickets pro Tag verfügbar sind. 

Übernachten im Gewürtzgarten

Wegen der wie ich finde nicht unterstützenswerten Ticketvergabe im Nationalpark habe ich mich entschieden bei meiner 2. Reise in die Region von Thekkady ausserhalb von Kumily auf einer Kardamom Plantage übernachtet, um mitten im Grünen die Natur zu geniessen und die Gewürze ohne Zeitdruck entdecken und fotografieren zu können. Die Pflanzenbestimmungs-App «Flora Incognita» ist mir dabei sehr hilfreich.

Reen Resort

Besonders schön ist natürlich ein Hotel mitten in einer Gewürzplantage – bei mir ist es eine Kardamomplantage. So kann ich in Ruhe selber auf Entdeckungstour im Garten gehen und nach Herzenslust fotografieren. Ich übernachte im Reen Resort und habe ein ganz tolles und riesen grosses Zimmer mit wunderbarem Blick ins Grüne, Himmelbett und Regendusche.

Im Garten gibt es viel zu entdecken und mir sind wunderschöne Naturaufnahmen gelungen. Nur den Pool des Hotels habe ich nicht getestet, denn ich bin hier immer noch in den Bergen auf 1100 Meter und da ist das Wasser noch recht frisch. Zwischen den Bäumen und mit dem leichten Wind, ist es ein überaus angenehmes Klima und eine schöne Erholung und Pause vom quirligen Indien.

Kardamom – das grüne Gold von Kerala:

Kardamom ist ein intensives, süsslich-scharfes Gewürz aus der Familie der Ingwergewächse, das aus den getrockneten Kapselfrüchten gewonnen wird. Es gilt nach Safran und Vanille als eines der teuersten Gewürze der Welt. Ich liebe seinen Geschmack in Tees, Currys, Reis oder Desserts. Alle 45 Tage kann Kardamom kurz vor der Reife von Hand geerntet werden, da bei maschineller Ernte die Kapseln aufspringen und verletzt würden. Dadurch ist das Gewürz aber sehr teuer. Die grünen Kardamomkapseln enthalten viel Wasser und müssen darum ca. 1 Tag lang getrocknet werden. Kardamom ist sehr gesund, denn dem Gewürz wird eine verdauungsfördernde, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung zugeschrieben.

Reisehinweis: Die Region von Munnar und Thekkady liegen Zentral im Zentrum von Kerala nicht weit vom Internationalen Flughafen von Kochi entfernt und lassen sich gut auf einer Rundreise mit den Backwaters bei Alleppey verbinden. Wayanad, meine nächste Destination in den Nilgiris, ist jedoch weiter entfernt und liegt ganz im Norden von Kerala, was einer 2-tägigen Anreise von Kochi oder einem Inlandsflug bedingt. Doch ein Besuch lohnt sich, wie ich dir nachfolgend zeigen möchte.

Wayanad

Im grünen Dschungel von Wayanad

Wayanad ist ein Distrikt ganz im Norden von Kerala in den Nilgiri Bergen. Es ist ein grünes Paradies und liegt auf einer Art Hochplateau auf 700 bis 2100 Metern.
Die Region ist bekannt für seine grünen Wälder, Teeplantagen und Gewürzfarmen. Es ist zudem die Heimat vieler indigener Stämme. Ausser den Edakkal Höhlen mit jahrhundertealten Felsmalereien, dem Pookode Lake und einigen Tempeln hat die Region aber nicht so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Star von Wayanad ist ganz klar die Natur und unberührter Dschungel. Darum können hier viele Wanderungen zu Wasserfällen, Aussichtspunkten oder in die Wälder unternommen werden. Diese sind besonders spannend zu entdecken mit einem Guide, Ranger oder Naturalisten, da sie dir mehr über die Fauna und Flora erzählen können. Zudem kann es überall passieren, dass du auf wilde Tiere triffst. Wayanad ist zum Beispiel die Heimat von Elefanten und Tigern…
Und manchmal lohnt sich auf einer Gewürzplantage oder im Dschungel auch einmal der Blick in die Höhe. Sehen dieses Fotos nicht einfach toll aus?

Ausflug in die Teeplantagen von Wayanad

Nach einigen entspannten Tagen am Meer in Nordkerala geht es für mich auf Entdeckertour nach Wayanad in die Nilgiriberge.
Die Strasse schlängelt sich vom Meer in vielen Kurven in die Höhe. Zuerst werde ich auf einer Teeplantage übernachten, denn nach Munnar ist auch Wayanad berühmt für seinen Tee. Und ich bin eine leidenschaftliche Teetrinkerin. Wayanad ist aber abgelegener und unbekannter, so verirren sich hierhin weniger Touristen. Doch die Region wird immer beliebter bei indischen Abenteuertouristen, so entstehen immer mehr «Freizeitparks» wo zb. Zipline über den Teefeldern etc. möglich ist. Doch auf meiner Teeplantage geht es noch sehr beschaulich zu und her und ich fühle mich richtig ins 18. Jahrhundert in die Zeit der Briten zurück versetzt.

Auf der Parisons Tea Estate

Die zwei Bungalows der Parisons Teefarm liegen inmitten von Teesträuchern auf einer Höhe von rund 900 Metern. Das Parisons Resort und die dazugehörige Plantage blicken auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück. So ist das Bungalow ganz im konolialstyl eingerichtet, was mir natürlich sehr gut gefällt, da es mich Geschichte erleben lässt. Mein Zimmer liegt im Haupthaus und ist riesig. Passend zum Dekor starte ich meine Reisenotizen analog in einem Büchlein mit handgeschöpften Papier.

Ausschlafen geht auf einer Teeplantage nur Sonntags, denn an den anderen Tagen erklingt um 6 Uhr im nahen Dorf die erste Sirene – der Weckruf für die Teepflückerinnen. Um 8 Uhr ist der nächste Alarm – Arbeitsbeginn. Dann erklingen weitere Sirenen um 12, 14 und 17 Uhr.
Zum Glück geht bei mir ausschlafen auf Reisen so gar nicht, denn das Licht zum fotografieren ist am frühen Morgen immer am schönsten und dadurch bin ich immer schon zum Sonnenaufgang unterwegs. Heute hätte mir aber das Wetter fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn alles ist Weiss. Doch obwohl sich morgens die ganze Landschaft in dicken Nebel hüllt, mache ich trotzdem meinen Morgenspaziergang in die Plantage. Und es hat sich gelohnt. Sehen die Fotos nicht einfach magisch aus?

Bei den Blumenfotos handelt es sich übrigens um die Blüten der Teesträucher. Hier sieht man etwas, das der Teestrauch zu den Kamelienarten gehört. Manchmal sind auch kleine grüne Früchte zu entdecken.
Nach dem Frühstück kommt die Sonne wieder hervor und ich mache mich auf den Weg um heraus zu finden, woher die klickenden Geräusche stammen, die ich durch den Nebel gehört habe. Und richtig, ich habe recht geraten, Teepflückerinnen sind hier an der Arbeit. In den Teegärten von Parisons werden ausgewählte Hybrid-Teesorten aus China und Assam angebaut. Sie wachsen nur bis etwa Bauchhöhe, so dass die neuen Triebe einfach gepflückt werden können. Für den Tee werden nur die obersten drei Blätter geerntet. Diese können etwa alle 7 Tage geschnitten werden. Hier wird nicht mehr von Hand gearbeitet, sonder mit einer grossen Schere.

Ein Highlight ist für mich sicher die exklusive Besichtigung der Teefabrik mit dem Hotelmanager. Diese befindet sich direkt auf der Plantage in der Nähe vom Resort. Wie das duftet. Schade kann ich dir hier nur die Bilder präsentieren und nicht auch den Duft von so viel frischem Tee zu dir bringen… Ich sehe in der Fabrik die verschiedenen Verbarbeitsschritte, das Trocknen, Malen, Fermentieren, Sortieren und Verpacken. Mir scheint auch hier, als sei die Zeit stehen geblieben, aber es gibt auch einige moderne Misch- und Sortiermaschinen. Doch die sind einfach nicht so fotogen…

PS: Bei der Hauptstrasse besitzt die Parison Tea Estate ein Teeoutlet, einen Fabrikladen. Dort kannst du ganz günstig Tee direkt von der  Plantage kaufen.

Wanderung zum schönsten Wasserfall von Wayanad

Ich mache auf meiner Weiterreise einen Ausflug zum Soochipara-Wasserfall. Dieser dreistufige Wasserfall soll auch in der Trockenzeit sehr sehenswert sein. Ich bin mal gespannt. Über eine kurvenreiche Strasse geht es bis zum Start der Wanderung. Dort muss ein Ticket gelöst werden und ich trage mich mit Pass- und Telefonnummer in ein grosses Buch ein. Pro Tag sind bei meinem Besuch «nur» 1200 Touristen erlaubt, seit neustem sollen es nur noch maximal 500 Besucher sein. Die Region ist ein Naturschutzgebiet, darum wird darauf geachtet, dass sich die Touristen auch richtig verhalten.
Die Wanderung zum Wasserfall geht etwa 30-60 Minuten hinunter ins Tal durch Kaffeeplantagen und dichte Wälder. Es lohnt sich auf dem Weg immer mal wieder einen Blick in die Höhe zu werfen, denn in den Baumästen sehe ich plötzlich schwarze Affen, dem Körperbau nach eine Langurenart. Zuerst denke ich ja, dass diese nur für mich sehr speziell und für die indische Touristen kein Blick wert sind, doch sobald ich stehenbleibe und fotografiere, halten auch alle anderen an. Sie haben die Affen – die Nilgiri Languren einfach nicht bemerkt! Sie sind sehr selten und darum auf jeden Fall auch besonders für Inder. Später entdecke ich nochmals eine Gruppe von Nilgiri Languren direkt in den Baumkronen meines Resorts, dem Wayanad Wild.

Nilgiri Langur

Der Nilgiri-Langur ist eine in den Westghats endemische Affenart mit einem markanten schwarzen Fell. Sie leben in den Baumkronen der feuchten, immergrünen Regenwäldern der Westghats und in Wayanad. Sie sind meistens in einer Gruppe unterwegs und sind hauptsächlich Pflanzenfresser. Die Nilgiri Languren ernähren sich von Blättern, Trieben und Früchten.

Am Ziel werde ich vom 3-stufigen Wasserfall mit einem natürlichem Pool zu seinen Füssen belohnt. Der etwa 200 Meter hohe Wasserfall ist von dichten Dschungel umgeben und stürzt über eine Klippe. Das letzte Stück ist dann nochmals recht steil und es geht über Treppen runter. Es ist sehr spannend zu schauen wie sich die Inder hier im Wasser vergnügen. Wer einen menschenleeren Wasserfall antreffen möchte, der sollte gleich morgens früh los und unbedingt Wochentags. Am Wochenende hat es immer viele indische Kurzurlauber und Ausflügler. Mir hat es aber gefallen, den Wasserfall am Sonntag belebt zu erleben. Ich bin jedoch froh, genügend früh gekommen zu sein, denn es kommen immer mehr Besucher. Und dann folgt das anstrengendste Stück vom Weg, denn nun geht es den ganzen Weg wieder hoch…

Wasserfall fotografieren:

Nebenstehende Fotos zeigen den Wasserfall mit einer sehr langen Belichtungszeiten. Mit der Belichtungszeit ist es möglich, die «einzelnen» Wassertropfen einzufangen oder das Wasser «fliessen» zu lassen. Wird jedoch die Belichtungszeit verstellt, so muss auch die Blende oder der Isowert angepasst werden. Aber Achtung, wenn du die Belichtungszeit zu lange wählst, so verwackelt das Bild. Dann brauchst du ein Stativ.

Im Dschungel von Meppady

Nicht weit vom Wasserfall entfernt gibt es noch andere, neue Touristenattraktionen, wie Glasbodenbrücke oder Zipline, die bei den Inder hoch im Kurs liegen und es ellenlange Schlangen am Eingang hat. Falls dich das interessiert, dann komme nicht am Wochenende. Ich finde es aber immer schöner die Natur, die Pflanzen und Vögel zu entdecken und zu fotografieren. Doch auch da ist immer eine Prise Adrenalin mit im Spiel, denn hier gibt es auch grosse Spinnen und Schlangen. Doch die Gegend ist auch berühmt für ihren Kaffee. Kerala ist nach Karnataka einer der Hauptkaffeeproduzenten von Indien. Ich habe schon die Region von Chikmagalur und Coorg besucht, welche oft als Wiege des indischen Kaffees bezeichnet wird. Und diese Region ist nicht so weit von Wayanad entfernt.

Indischer Kaffee

Kaffee wird in der Region Wayanad seit über 250 Jahren angebaut. Die Briten führten die Kaffeeplantagen Ende des 18. Jahrhunderts während ihrer Kolonialherrschaft in Indien ein. Die günstigen geografischen Bedingungen, das Klima und der Boden trugen dazu bei, dass sich der Kaffeeanbau in den Hügelgebieten des Distrikts ausbreiten konnte. Wayanad ist berühmt für hochwertigen, im Schatten angebauten «Wayanad Robusta», der oft erdige, schokoladige Noten aufweist und einen kräftigen Körper besitzt.

Die Kaffeepflanzen in Kerala wachsen oft in Mischkultur, umgeben von Gewürzen wie Pfeffer und Kardamom und im Schatten von Jackfruit- und Mangobäumen, was zu einer hohen Qualität und einzigartigen Aromen führt. Die Ernte und das Trocknen der Kaffeepflanzen kann ich Hautnah in meiner nächsten Unterkunft miterleben, denn diese hat einen riesigen Gewürzgarten

After the Rains

Das kleine Resort mit dem besonders klingenden Namen, After The Rains, liegt inmitten eines 6,5 Hektar grossen Gewürzgartens. Hier bin ich mitten im Dschungel angekommen. Da es auf einer Hügelkuppe gebaut ist, habe ich einen atemberaubenden Blick auf den üppigen Tropenwald und die dunstig verhangenen, blauen Hügel. Der erste Blick von der Rezeptions- und Restaurantterrasse ist einfach traumhaft und unvergesslich. Die Bungalows werden fast vom Grün verschluckt und verteilen sich dem Hügel entlang. Die nächste Überraschung erlebe ich bei meinem Bungalow. Dieses ist nämlich angeschrieben mit Jasmins Villa 🙂 und hat ebenfalls eine tolle Aussicht. Hier lässt es sich aushalten.

Besonders erwähnen möchte ich auch das feine lokale und frisch zubereitete Essen, das Mittags und Abends in kleinen Schalen serviert wird. Für mich eines der besten und echt indischen Essen von Kerala! Scharf, würzig, exotisch und einfach lecker. Es wird nicht extra für Europäer gekocht. Doch falls es mir zu scharf gewesen wäre, hätte ich Joghurt dazu erhalten können, denn dieses nimmt die Schärfe. Aber das ist bei mir nicht nötig, ich liebe es. Der Fisch stammt aus den lokalen Flüssen, Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten oder der Region. Auf der Plantage wird gerade Kaffee geerntet und die grossen Pampelmusen sind reif. Damit diese nicht gar so bitter schmeckt, essen sie die Lokals mit etwas Chilipulver. Das teste ich natürlich auch.

Obwohl mein Zimmer über einen Balkon mit traumhaften Blick ins Grüne verfügt, hält mich der überaus bequeme Sessel nicht lange zurück. Es gibt im Garten einfach zu viel zu entdecken. Es gibt auch immer wieder Besuche von Nilgiri Languren,  Makaken und vielen Vögeln. Über 1h brauche ich für den Rundweg hinunter zum kleinen Teich und zurück.

Und ausschlafen ist hier auch nicht, denn der Sonnenaufgang ist einfach magisch. Von meinem Bungalow oder der Aussichtsterrasse schaue ich in den Dschungel wo sich die drei Bundesstaaten Kerala, Tamil Nadu und Karnataka treffen.

Sonnenaufgang fotografieren

Zuerst die » schlechte» Nachricht: vor dem eigentlichen Sonnenaufgang ist der Himmel oftmals in ein viel intensiveres Rot getaucht. Dass heisst, um den Sonnenaufgang am schönsten zu fotografieren musst du 30-15 Minuten vor dem ersten Sonnenstrahl schon da sein. Am schönsten bekommst du einen Sonnenaufgang fotografiert, wenn du  die Belichtungszeit, Blende und die Farbtemperatur manuell einstellst, denn sonst kann es sein, dass dein Sonnenaufgang zu hell und nicht in den richtigen Farben abgebildet wird, sondern flau aussieht. Du musst immer etwas unterbelichten. Ich habe auch schon mit Verlaufsfiltern gearbeitet, um den Himmel zu bekommen, die Umgebung aber heller.

Auch während der trocknen Monate von Dezember bis April kann es in Wayanad immer einmal wieder regnen. Doch Regen erlebe ich im After the Rains Resort nicht. Dadurch ist der Kanthanpara Waterfalls, den ich auf einem Ausflug besichtige, auch nicht so spektakulär, aber trotzdem ein Besuch wert. Der Wasserfall ist über einen kurzen Spazierweg erreichbar.

Wanderung durch die Teeplantagen von Wayanad

Im Gegensatz zu den Teegärten von Munnar sind hier in Wayanad nicht alle Teefelder eingezäunt. So ist es mir an verschiedenen Orten möglich, kleine Wanderungen zu unternehmen. Besonders schön ist eine Teeplantage mit Sicht zum Chembra Peak, ein majestätischer Berg, der sich 2100 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Es ist der höchste Gipfel in Wayanad und einer der höchsten in den Westghats. Auf seinen Gipfel gäbe es ebenfalls Wanderungen. Aber man muss ja nicht alles machen…

In den Hügeln von Vythiri

Für alle, die die ursprüngliche Natur lieben, habe ich das perfekte Resort gefunden. Dort beginnt das Abenteuer schon mit der halbstündigen Offroad-Fahrt im Jeep zur Dschungellodge, denn zum Wyanad Wild Resort dürfen keine anderen Fahrzeuge fahren.

Wyanad Wild Resort

Ich dachte ja schon, dass das After the Rains abgelegen liegt, doch dieses Resort legt nochmals drauf. Grün und Dschungel soweit das Auge reicht. Ich werde darum das Resort bis zu meiner Abreise in 4 Tagen nicht mehr verlassen. Aber keine Angst, mir wird es nicht langweilig, denn mit den Naturalisten des Resorts geht es auf zahlreiche Wanderungen, es gibt Vorträge, Kochvorführungen und mehr. Und das beste ist natürlich, dass die wilden Tiere mitten ins Resort kommen…

Mein Bungalow ist am Hang gebaut und dadurch habe ich das Gefühl, wie in einem Baumhaus direkt in den Baumkronen zu schweben. Makaken, Nilgiri Languren und das Malabar Squirell kann ich direkt auf Augenhöhe von meinem Balkon aus beobachten. Ich wusste ja gar nicht, dass Eichhörnchen so gross werden können!
Jetzt im Januar blühen die Mangobäume – dies ist ein wahrer Festschmaus für das Squirell. Ich kann das Eichhörnchen auch beobachten wie es Früchte zwischen seinen Vorderpfoten hält und davon abbeisst. Eins der Squirell, das ich entdecke, hat nur noch ein Ohr. Das muss einmal einem Raubvogel zu nahe gekommen sein…

Malabar Squirell

Das Malabar-Riesenhörnchen, auch Königsriesenhörnchen genannt, ist in den dichten Wäldern von Wayanad endemisch und eine der weltweit grössten Hörnchenarten. Es erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 1 Meter, inklusive seinem buschigen Schwanz mit der hellen Spitze. Malabar Squirell haben die Fähigkeit, bis zu 6 Meter weit von Baum zu Baum springen zu können. Sie ernähren sich hauptsächlich von Früchten, Blüten, Nüssen und Rinde.

Nachtsafari

An meinem zweiten Abend mache ich nach dem Abendessen von 21-22 Uhr eine Nachtsafari. Wir sind mit einem Naturalisten zu Fuss unterwegs. Und da komme ich aus dem staunen nicht mehr raus! Wir laufen auf der «Safari» dem offiziellen Resortweg entlang, wo ich gefühlt schon 100mal entlanggelaufen bin. Doch was ich da alles im Licht der Taschen- und Stirnlampe erspähen kann – unglaublich. Ich muss nur wissen wo hinschauen… Nie wäre ich auf die Idee gekommen in 2 Metern Höhe einen Frosch zu suchen. Aber dort sitzt er, der Malbar gliding Frog.

Malabar gliding Frog

Der Malabar-Flugfrosch ist eine Baumfroschart, die in den Westghats Indiens endemisch ist. Er ist für seine Fähigkeit bekannt, durch seine grossen Schwimmhäute zwischen den Zehen aus Baumwipfeln bis zu 12 Metern gleiten zu können. Diese Fähigkeit nutzt er, um zwischen Bäumen zu wechseln und Raubtieren zu entkommen.

Weitere Frösche entdecke ich entlang vom Bach. Wir sehen auch eine Schlange auf einem Baumast sitzen. Es ist eine Viper und die sind sehr giftig und gefährlich. Mit dem Taschenlampenlicht und dem dadurch entstehenden dunklen Schatten ist der dreieckige Kopf sehr gut zu erkennen. Ein dreieckiger Kopf bei einer Schlange ist nie gut, das bedeutet nämlich, dass ihr Gift mit grosser Wahrscheinlichkeit für Mensch tödlich ist. Bei der Schlange handelt es sich um eine Viper. Weniger gefährlich sind die kleinen, grünen Schlangen, die Common Vine Snake oder Nasen-Peitschennatter auf Deutsch. Sie haben sich aber direkt am oder über dem Weg im Bambus auf Kopfhöhe platziert. Mir ist dadurch schon etwas mulmig. Ihr Gift ist jedoch «nur» für Vögel tödlich.
Ich sehe auch eine riesen Zikade, Eidechsen, einen fluoreszierenden Skorpion, Insekten, die wie Äste aussehen und einen schlafenden Vogel, der sich unter einem Blatt zu einer Kugel aufgeplustert hat. Hier ein paar Impressionen meiner zwei Nachtsafaris, denn am nächsten Abend musste ich natürlich nochmals mit. PS: Die Viper war immer noch da, denn wenn sie gefressen hat, kann sie bis zu einem Monat auf ihrem Ast verweilen.

Wanderungen auf den Spuren der Elefanten

Auch am Tag erkunde ich die Gegend – alleine oder mit den Naturalisten vom Resort, denn diese können mir vieles zur Fauna und Flora erzählen und erklären. Ohne ihr Auge hätte ich z.b. die fliegende Echse am Baum nicht entdeckt. Mit meinem Naturalist geht es auch gleich zweimal querfeldein, einmal dem Bach entlang und einmal auf den Hügel durch hohes Elefantengras. Ich muss sehr achtgeben, denn die Kanten sind Rasiermesserscharf. Ich bin froh nicht alleine zu sein, denn im Elefantengras können sich Kobras verstecken, zudem kommen oftmals wilde Elefanten zu Besuch. Darum dürfen wir auch nicht zu laut sein, denn dies kann sie anlocken, da sie sehr neugierig sind.

Am Bach sehe ich Elefantendung, sie waren somit erst vor kurzem hier.
Für die Wanderung zum Bach werde ich mit Blutegelsocken und Gummistiefeln ausgerüstet. Blutegel sind zur jetzigen Jahreszeit sehr selten, denn sie sind vor allem während dem Monsun anzutreffen. Aber sicher ist sicher.

Die Vögel in Wayanad und wie ich zu einer Birdwatcherin werde...

Wayanad ist für seine vielfältige Vogelwelt bekannt. So schaue ich auf all meinen Spaziergängen welche Vogelarten mir begegnen. Sie sind aber gar nicht so einfach zu bestimmen, da die Männchen und Weibchen oftmals komplett unterschiedlich aussehen. Morgens begegnen mir die meisten Vögel, da sie dann auf Futtersuche sind. Als ich wieder Zuhause in der Schweiz bin, merke ich erst, wie laut es doch im Dschungel war, denn das Vogelkonzert fehlt mir richtiggehend
Hier eine kleine Auswahl meiner Vogelfotos:

In Wayanad sind Nektarvögel, sogenannte Sunbirds, sehr häufig zu entdecken. Oft sehe ich sie beim nektarsaugen, wobei sie wie Kolibris herum schwirren. Das erinnert mich sehr an meine Reise nach Costa Rica. Der Schnabel der Sunbirds ist meistens auch gebogen, wodurch sie gut zu erkennen und zu unterscheiden sind.

Vögel fotografieren

Der Flügelschlag der Sunbirds ist unheimlich schnell. Wenn ich sie im Flug fotografieren möchte und eine normale Verschlusszeit von ca 1/125s wähle, dann weisen die Flügel Bewegungsunschärfe auf. Ich muss darum eine bedeutend kürzere Zeit wählen von z.b. 1/1000s, wenn ich diese scharf abbilden möchte. Dadurch muss ich aber die Blende öffnen oder die Isozahl erhöhen, da das Bild sonst zu dunkel wird.

Der König der Vögel – der Nashornvogel

Eine Vogelart will ich in Indien unbedingt einmal sehen – den Hornbill! Welch ein majestätischer Vogel. Kerala und besonders Wayanat ist seine Heimat.
Die Hornbills sind meistens als Paar anzutreffen, denn sie bleiben ein Leben lang zusammen. Mein Naturalist vom Wayanat Wild Resort erzählt mir, dass wenn ich einmal nur das Männchen sehe, sich dann das Weibchen im Nest befindet. Mit Lehm schliesst sie sich für mehrere Wochen in einem hohlen Baum ein und wird vom Männchen während dieser Zeit gefüttert, denn sie hat einen grossen Teil ihre Federn verloren und kann so erst wieder fliegen wenn auch der Nachwuchs das Nest verlassen kann.

Grey Hornbill oder Malabar Grautoko

In Wayanad können verschiedene Arten von Hornbills, vor allem der Malabar-Grauhornvogel, in den waldreichen Gebieten beobachtet werden. Der Grey Hornbill ist ein eher kleiner Nashornvogel mit schiefergrauem Gefieder, hellem Bauch und einem langen Schwanz. Im Gegensatz zu vielen anderen Nashornvögeln fehlt ihm der ausgeprägte Schnabelaufsatz.

Ich würde mal sagen mein Wunsch wurde mir erfüllt, denn ich habe mehrere Hornbills gesehen, leider aber nicht die schönste Art mit dem grossen gelben Schnabel und Höcker. Aber man kann ja nicht alles habe und schliesslich muss ich ja immer einen Grund für weitere Reisen nach Indien und Asien haben. Den Great Hornbill und den etwas kleineren aber nicht minder schönen Oriental Hornbill bekomme ich dann in Assam zu Gesicht. In Wayanat sehe ich gleich an mehreren Orten den Grey Hornbill.

Bildbearbeitung

Das schlimmste, was einem passieren kann wenn man den Grey Hornbill fotografiert? Natürlich ein grauer Vogel in einer grauen Nebelsuppe. Dann ist wirklich alles Grau in Grau… Doch bei der Bildbearbeitung kann das Foto noch gerettet werden. Dabei erhöhe ich mit der Gradationskurve oder der Tonwertkorrektur den Schwarzanteil im Bild. Die hellen Stellen lasse ich dabei aber unverändert, damit es dort immer noch eine Zeichnung hat. Zudem erhöhe ich etwas die Sättigung um die wenigen Farben etwas hervor zu holen. Hier siehst du das Foto vor und nach der Bildbearbeitung.
PS: wusstest du dass ich auch deine Bilder bearbeiten kann? Mehr Infos dazu findest du auf meiner Webseite fotodesign-ilg.ch

Abstecher zu den Elefanten und Tigern nach Karnataka:

Auf Safari im Nagarhole Nationalpark

Von Wayanad aus mache ich noch einen mehrtägigen Abstecher in den Nagarhole Nationalpark nach Karnataka, denn von der Parison Plantage sind es keine 2h Fahrt bis dorthin. Schon bald nach der Grenze von Karnataka wird es ländlicher, die Strasse schmaler. Und es hat wieder Ochsenkarren auf der Strasse. Endlich mal wieder eine interessante Fahrt für eine Fotografin!

Im Nagarhole Nationalpark war ich 2011 schon einmal. Zu der Zeit hatte gerade der Bambus geblüht, was eine unglaublich grosse Anzahl von Elefanten angelockt hat. Da jedoch nach dem Blühen der Bambus stirbt, verändert sich danach das Futterangebot und so die Tierwelt erheblich. Aber ist Bambus nicht eine der am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt? Ich will mich live vor Ort umschauen und sehen, ob sich der Nationalpark verändert hat.

Meine Befürchtung hat sich jedoch bewahrheitet, auch etwas mehr als 10 Jahre später ist der Bambuswald um den Stausee noch nicht wieder zurück. Mein Ranger und Naturalist auf der Safari erzählt mir, dass der Bambus sehr wohl gewachsen ist, doch Tiere, wie die Hanuman Languren oder Axishirsche, lieben die jungen Sprossen und fressen diese fortwährend ab. Doch wo es eine grosse Hirschpopulation hat, ist auch ihr grösster Feind nicht weit weg – der Tiger. Und ist der Tiger nicht ein wunderschönes Tier? Sogar von Hinten gibt der König vom Dschungel mit seinen weissen Punkte auf den Ohren ein interessantes Bild ab

So habe ich das Glück bei meiner Boots- und Jeepfahrt gleich mehrere Tiger zu erspähen. Und auch zwei Elefanten bekomme ich zu Gesicht – sie kommen also langsam wieder in dieses Gebiet zurück. Schön zu sehen, dass die Westghats den Tieren immer noch die Möglichkeit bietet, zu wandern und sie in den verschiedenen Schutzgebieten eine Heimat finden.

Reisehinweis: Im Dezember und Januar gibt es oft Morgennebel in der Region. Eine Bootsfahrt am frühen Morgen macht da wenig Sinn. Ich habe sowohl die Boots- wie auch Jeepsafari am Nachmittag unternommen und morgens ging ich auf Birdwatching, denn dort kam ich viel näher an die Tiere ran, wodurch ich trotzdem etwas gesehen habe. Bei meinem Aufenthalt Ende Februar hatte ich dieses Wetterphänomen nicht, da war es auch schon am Morgen sonnig.

Red Earth Safari Lodge

Übernachtet habe ich dieses Mal in der Red Earth Safari Lodge. Hier kann ich die Safaris direkt im Resort buchen, es wird alles organisiert und es geht vom Resort aus direkt mit dem Jeep los. Bis zum Hauptgate vom Nationalpark und zum Bootshafen sind es etwa 30 Minuten Fahrt. Darum bin ich froh, einen Schal und Jacke eingepackt zu haben, denn nach dem Sonnenuntergang wird es auf der Fahrt zurück im offenen Jeep sehr frisch. Die Lodge liegt direkt am Kabinistausee und der Garten ist ein Paradies für Vögel und Schmetterlinge.

Meine Reisetipps:

Safaris in Wayanad

Auch in Wayanad gibt es einige Sanctuarys mit Safarimöglichkeit, zum Beispiel in Muthanga und Tholpetty. Hierhin sei eine grosse Anzahl der Elefanten von Nagarhole abgewandert. Tiersichtungen sind hier aber schwieriger, da es nicht so wie beim Kabinisee freie Grasflächen gibt, sondern alles aus dichtem Dschungel besteht. Eigentlich habe ich geplant, vom After the Rains Resort einen Ausflug zum Wayanad Sanctionary zu machen, doch der Weg ist leider zu weit. Alles ist hier Hügelig und so schlängeln sich die Strassen kurvenreich durch die Gegend. Und so bleibt mir noch ein Reiseziel für weitere Reisen in diese schöne Region…
Falls du auch gerne einmal eine Reise mit mir machen möchtest, einfach melden, ich suche immer wieder Mitreisende.

Reisetipps Nilgiri Berge:

Beste Reisezeit

Kleidung

Pullover oder leichte Jacke für den kühleren Abend in den Bergen
Gute Schuhe sind wichtig, denn viele Wege sind Naturpfade
Socken gegen Blutegel und auch Zecken können sinnvoll sein*

Fahrstrecken

Meine Hotelempfehlungen

Alle hier vorgestellten Hotels habe ich auf meinen verschiedenen Reisen durch Kerala schon besucht und natürlich darin übernachtet. Es ist keine Werbung, da selbst gebucht und bezahlt. Da sich Hotels mit der Zeit auch verändern, kann ich aber keine Garantie übernehmen, dass diese immer noch gut und empfehlenswert oder bezahlbar sind.

© Alle hier gezeigten Fotos unterstehen dem Urheberrecht von Jasmin Ilg, fotodesign-ilg. Die Fotos dürfen ohne ihr Einverständnis weder kopiert noch abgespeichert werden. Die Bilder und Bildrechte können aber käuflich ohne Wasserzeichen und in grosser Auflösung zu einem fairen Preis erworben werden. Vielen herzlichen Dank für deinen kleinen Unterstützungsbeitrag an meine Reisen. Jasmin Ilg hat noch viele viele weiteren Fotos, auch zu anderen Themen und Ländern und freut sich sehr über deine Anfrage.

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