TEIL 3 & TIPPS:
Regen in der Wüste
Gestern war es schon recht bewölkt und darum habe ich mal den Wetterbericht gecheckt. Der zeigt doch wirklich für Heute Regen an! Regen mitten in der Trockenzeit und Wüste, dass kann nur mir passieren! Wohl weisslich habe ich aber einen Regenschirm eingepackt. Zwar dachte ich, ich bräuchte ihn für die Sonne, aber jetzt kommt er doch noch zu seinem vorbestimmten Einsatz. Doch Heute ist ein Fahrtag, und so ist Regen nicht so schlimm. Während der Fahrt regnet es auch mehrere Male sintflutartig! Die Strassen stehen für kurze Zeit unter Wasser. Wir kommen so nur langsam vorwärts. Den heftigsten Schauer mit Blitzeinschlägen können wir aber im Restaurant bei einem feinen Mittagessen aussitzen. Heute geht es in Richtung Norden an die Grenze zu Rajasthan. Dazwischen gibt es aber viel zu Besichtigen und es wird ein sehr langer, aber interessanter Tag.




Der Sonnentempel Modhera
Das auch als Sonnentempel bezeichnete Bauwerk macht seinem Namen alle Ehre. Als ich nach 2h Fahrt durch den Regen beim Tempel von Modhera eintreffe, scheint wirklich die Sonne. Die zwei über 1000 Jahre alten Tempel sind sehr schön und mit vielen in Stein gehauenen Figuren und Ornamenten verziert. Diese sind aber etwas mehr verwittert, wie ich es schon bei anderen historischen Tempeln, wie z.B. in Khajuraho (Reisebericht folgt) oder Belur gesehen habe. Da es ein historischer Tempel ist, darf ich ihn komplett besichtigen und auch fotografieren. Der Tempel ist dem hinduistischen Sonnengottheit Surya gewidmet. Gleich neben den Tempeln hat es einen 4 eckigen Brunnen in dessen Wasser Schildkröten schwimmen.
Eintritt für Ausländer inkl. Kameragebühr 400RS
Rani Ki vav, der Stufenbrunnen von Patan
Einen 100 Rupienschein hatte ich schon unzählige Male in meinen Händen und habe damit bezahlt. Nun aber bekommt er eine speziellere Bedeutung, denn das darauf abgebildete Bauwerk werde ich nun besichtigen – den Stufenbrunnen von Patan. Und wieder meint es das Wetter gut mit mir, denn nur einige wenige Regentropfen wechseln sich mit viel Sonnenschein ab. Da der Stufenbrunnen ein Unesco Weltkulturerbe ist und zudem durch die Geldnote sehr berühmt geworden ist, hat es hier sehr viele Besucher. Interessant ist noch seine Geschichte. Die Maharani Udayamati liess den ca. 64 Meter langen und 20 Meter tiefen Brunnen erbauen, um ihren Ehemann zu ehren, der bis 1064 regierte. Der Brunnen ist wie ein umgedrehter Tempel gestaltet, der die Besucher über sieben Treppen-Ebenen tief hinab zum heiligen Wasser führt. Die Wände und Säulen sind mit über 500 Hauptskulpturen und Tausenden kleineren Ornamenten verziert, die hinduistische Gottheiten und Szenen aus der Mythologie darstellen. Durch eine Überschwemmung des nahen Flusses wurde der Brunnen im Laufe der Jahrhunderte aber verschlammt und verschüttet. Er geriet in Vergessenheit, bis Archäologen ihn in den 1940er Jahren wiederentdeckten, ausgruben und in den Folgejahren aufwendig restaurierten.
Eintritt für Ausländer inkl. Kameragebühr 600RS








Sidhpur
Mein nächster Stopp mache ich in der Stadt Sidhpur, denn im Zentrum hat es einige sehr spezielle Strassen mit bunt bemalten Havelis, einige auch schön restauriert. Viele sehen aber unbewohnt aus. Leider fängt es hier sehr stark an zu regnen, so muss ich meinen Spaziergang abkürzen, zudem müssen wir uns langsam sputen, wenn wir nicht im dunkeln an meinem nächsten Übernachtungsort ankommen möchten.












In die Hügel von Nordgujarat
Wir fahren dann durch eine hügelige Landschaft, den Aravalli-Bergen, die Heimat vom Sloth Bären, der sich mir aber leider nicht zeigt. Dafür sehe ich viele rot blühende Bäume. Die unzähligen, leuchtend orange-roten Blüten bilden ein derart dichtes Meer, dass der Baum aus der Ferne aussieht, als würde es brennen. Darum wird der Kesudo inn Englisch auch Flame of the Forest, die Flammen der Wälder, genannt. Die heruntergefallenen, leuchtend roten Blumen werden von Kindern gesammelt und am Strassenrand verkauft, denn aus den Blumen wird ein rotes Farbpulver hergestellt, dass an Holi, dem Fest der Farben, verstreut wird. Dieses Jahr findet Holi aber erst Ende März statt, dann werde ich leider nicht mehr hier sein. Wenn du jedoch gerne sehen möchtest, wie Holi in Nordostindien gefeiert wird, so findest du dies in meinem Reisebericht Assam ganz am Schluss.








Die Landschaft hier gefällt mir sehr gut und es ist viel grüner. Die Natur freut sich natürlich sehr über den Regen, der jedoch ganz untypisch für diese Jahreszeit ist, denn normalerweise regnet es im Februar und März nie. Ich muss einen kurzen Regenschauer abwarten, bis ich in meine Unterkunft unter Trommelschlägen einziehen kann – in einen richtigen Maharajapalast. Und das beste ist, die Maharajafamilie lebt immer noch hier und wird mir die nächsten Tage den Palast und die Umgebung persönlich zeigen.
HOTELTIPP
Darbargadh Palace
Der Palast wurde 1634 erbaut und immer wieder erweitert. Jetzt gerade bekommt er neu auch einen Pool. In einem Teil des fast 400 jährigen Palastes lebt immer noch die Maharajafamilie. Im anderen Teil befinden sich ca. 25 Gästezimmer. Bei meinem Besuch sind wir aber eine Nacht lang die einzigen Gäste. Der Palast ist noch ein richtiger Geheimtipp abseits der normalen Touristenroute aber unbedingt einen Besuch wert. Um genügend Zeit zum entdecken der Umgebung zu haben, würde ich mindestens 2 Nächte einplanen. Ich wäre gerne noch länger geblieben.
Mein Zimmer liegt zuhinterst im Palast in den ehemaligen Frauengemächer, die sich um einem schönen Innenhof anordnen. Der Maharadscha hat mir dieses Zimmer zugeteilt, da dieses einen Boiler für Warmwasser hat, denn die Sonnenkollektoren, über welche andere Zimmer verfügen, hätten durch das bewölkt-regnerische Wetter nicht funktioniert. Alles ist noch sehr traditionell und mit vielen Antiquitäten eingerichtet und so kann ich richtiggehend in die Geschichte eintauchen und mir vorstellen, wie hier früher gelebt wurde.












Auf Entdeckertour im Dorf Poshina
Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder besser, den Schirm kann ich im Palast lassen. Gleich nach Sonnenaufgang um 7 Uhr mache ich einen Morgenspaziergang mit dem Wächter des Palastes. Er möchte mich unbedingt begleiten, auch wenn er überhaupt kein Englisch spricht. Er schnallt sich seinen Säbel und ein Gewehr um und dann geht es los. Incredible India – in Indien wird es mir wirklich nie langweilig. Noch ist es sehr frisch und die Leute treffen sich beim Teeshop, vor dem ein wärmendes Feuer knistert. Der feine Chai-Tee vertreibt auch meine letzte Müdigkeit. Nach dem Spaziergang kaufe ich noch frische Jalebis fürs Frühstück, denn frisch zubereitet aus der Pfanne ist Streetfood am besten und auch für meinen Magen kein Problem.








Streetfood – Jalebi
Jalebi ist eine sehr beliebte aber extrem süsse und klebrige Süssspeise. Der Teig aus Mehl, Joghurt und Hefe wird in eine Art Spritzbeutel gefüllt und in verschlungenen Spiralen oder Kringeln direkt in heissem Öl frittiert, bis er goldbraun und knusprig ist. Direkt nach dem Frittieren werden die Kringel in einen dicken, warmen Zuckersirup getaucht. Dieser ist oft mit Safran, Kardamom oder Rosenwasser aromatisiert. Das macht Jalebis auch so süss und klebrig. Verkauft werden sie dann oft in Zeitungspapier eingewickelt. Werden sie gerade frisch gemacht, nehme ich gerne einmal einen, doch später würde ich keine mehr kaufen, wenn der ganze Strassenstaub daran klebt… In einigen Teilen von Indien gibt es Jelabis vor allem zum Lichterfest Diwali im Oktober.
Später am Nachmittag mache ich dann noch den offiziellen Village-walk. Nun hat der Wächter auch kein Gewehr mehr dabei. Es geht durch die kleinen Gassen vom Dorf und jetzt wo die Geschäfte geöffnet haben, ist viel los. In einer Strasse hat es zum Beispiel lauter Schneider. Und da die Türen und Tore immer offen stehen, kann ich allen bei der Arbeit zuschauen, vom Coiffeur über den Messerschleifer bis hin zum Töpfer. In dessen Werkstatt werden gerade Tonpferde hergestellt. Die Figuren werden von Hand geformt, gepresst und verziert. Die Pferde haben lange Ohren und ein offenes Maul. Sie werden in der lokalen Sprache als manetar ka ghoda bezeichnet und haben eine ganz spezielle Bedeutung für die lokale Bevölkerung. Was es mit den Tonpferden auf sich hat, erfahre ich auf der Jeeptour mit dem Maharadscha.
Die Terrakottapferde von Poshina
Es geht auf Entdeckertour in die Umgebung von Poshina mit dem Palastjeep. Aber ich hätte nicht erwartet, dass der Maharadscha höchstpersönlich mitkommt und er sogar noch unser Fahrer ist. Wir fahren aber nur ein kurzes Stück bis zu Fluss. Dort wo sich zwei Flüsse treffen ist ein heiliger Platz. Doch hier steht kein Tempelbauwerk, sondern es hat einen Platz für Opfergaben, wo die lokale Bevölkerung der Adivasi-Stämme hinkommt, um zu beten. Die Tonpferde werden dabei als symbolisches Opfer für die Götter dargebracht. Sie dienen dazu, für Gesundheit, Glück und Wohlstand zu beten oder sich für bereits erfüllte Wünsche zu bedanken. Hatte jemand einen sehr grossen Wunsch, so wird anstelle eines Pferdes oft ein Elefanten aufgestellt. Im Zentrum hat es Schalen, wo Feuer gemacht wird. Sehr eindrücklich. Diese Art von Naturreligion habe ich bisher noch nie in Indien gesehen, geschweige denn davon gehört.








Auch im Palast treffe ich auf die Terrakottapferde und -Elefanten. Im ehemaligen Frauenteil hat es auch einen eigenen kleinen Tempelraum, wahrscheinlich damit früher die Haremsfrauen zum beten den Palast nicht verlassen mussten. Das Heiligtum sieht ganz anders aus wie z.b. ein Hindu- oder Jaintempel, hier wird auch ganz klar eine lokale Stammesgottheit verehrt.








Die Maharaja- Familie von Poshina
Die königliche Familie von Poshina stammt von den legendären Chalukya-Herrschern ab, die im 12. Jahrhundert ganz Gujarat regierten. Im Jahr 1632 wurde der Darbargadh Palace zum Hauptsitz dieses Familienzweigs, denn Poshina war strategisch äusserst günstig als «Tor» zwischen Rajasthan und Gujarat gelegen. Über Generationen hinweg herrschten die Monarchen über 84 umliegende Dörfer. Die Könige regierten traditionell im Einklang mit den lokalen indigenen Stämmen der Region. Die Nachkommen der königlichen Familie leben noch immer vor Ort und haben den historischen Palast in ein Heritage-Hotel umgewandelt. Momentan ist Kr. Harendrapal Sinh der Maharaja von Poshina und ich hatte die Ehre ihn kennen zu lernen.
Unterwegs mit dem Maharaja
Wir besuchen auch das nahe Tribal Dorf, ein Stammesdorf. Wir werden von einer Schar Kindern begrüsst. Da heute Sonntag ist, haben sie Schulfrei. An allen anderen Tagen gehen sie von 11-17 Uhr zur Schule und bekommen dort auch eine warme Mahlzeit. Der Maharaja bringt den Kindern Kekse mit. Er meint aber, wir dürfen ihnen nichts geben. Nicht, dass sie anfangen zu betteln. Obwohl er nach der Unabhängigkeit von Indien und dem Auflösen der Fürstenstaaten keine politische Macht wie die früherem Maharajas mehr besitzt, schaut er wie seine Vorfahren, dass es der umliegenden Bevölkerung gut geht. Ich merke schon, das hier alles etwas einfacher, ärmlicher und ländlicher ist, wie an anderen Orten in Indien. Irgendwie scheint auch etwas die Zeit stehen geblieben zu sein, doch die Bevölkerung wirkt zufrieden. Es gibt auch mehrere Schulen und auch ein kleines Spital in Poshina.
Ich kann im Dorf zuschauen wie die Frauen gerade Gewürze und Dahl mahlen und wie Chapatis über den Feuer gebacken werden.








Wirklich magisch sind die Fotos, die ich in einem Haus machen darf. Das einfallende Sonnenlicht und der Rauch vom Kochfeuer – was für ein Bild. Die Hausherrin legt ihr Baby in eine Hängematte, die an den Bettpfosten befestigt ist, und wiegt es in den Schlaf. Wir werden genauso interessiert beäugt wie mich ihr doch sehr einfaches Leben interessiert. Obwohl die Menschen nicht viel haben sind sie zufrieden und lassen mich einen Blick in ihren Alltag werfen.








Mit dem Öv auf den Markt von Poshina
Unterwegs kommen mir Taxijeeps entgegen, denn hier gibt es keine öffentlichen Busse, da die Strassen dafür zu schmal sind. Die Jeeps sind wirklich gut gefüllt! Da das Dach voll ist, sitzen die Leute sogar noch vorne auf der Motorhaube. Und das bei den schlechten Strassen hier! Mehr Leute haben wirklich nicht mehr platz. So sehe ich in diesem Teil von Gujarat auch noch das ursprüngliche Indien.








Alle wollen heute, am Sonntag, zum Einkaufen nach Poshina, denn auf der Hauptstrasse findet ein kleiner Markt statt. Es wird Gemüse, Gewürze und allerlei Krimskrams verkauft.




















Nach dem Gewussel in Poshina wirkt die Umgebung umso idyllischer und lädt zu Spaziergängen ein. Doch die nähere Umgebung hält noch einige Überraschungen bereit. Angebaut wird hier in der Gegend Weizen, Mais und Baumwolle. Doch wird hier nur wenig Wolle geerntet, denn es werden vor allem Pflanzensamen produziert, die dann in ganz Indien verkauft werden. Dies ist jedoch eine sehr aufwendige Arbeit, da jede Blume von Hand bestäubt werden muss. Da es gestern geregnet hat, sind die Männer auf dem Feld beschäftigt und reissen alte Pflanzen aus, da durch den Regen die Erde lockerer geworden ist.
















Die 2. Terrakottaarmee von Indien
Der zweite Terrakottatempel von Poshina liegt bei einem kleinen Hügel, der als heilig gilt. Interessanterweise steht das Heiligtum und der Opferplatz unten am Hügel und nicht oben auf der Spitze, wie überall sonst. Doch der Maharaja erzählt mir, dass es dazu eine Legende gibt. Die Frau, die zum Heiligtum auf der Spitze schaute, wurde schwanger und konnte nicht mehr hoch laufen. So hat sie die Gottheit gebeten herunter zu kommen. Ihr Wunsch wurde ihr erfüllt und darum dürfen nun die Terrakottapferde am Fusse des Hügels aufgestellt werden. Hier hat es einmal über 1000 Pferde gehabt. Momentan sind es aber viel weniger, denn das Gouvernement baut WC’s und der ganze Platz wird gepflastert. Ich hoffe, dass ich wieder einmal hier hinkommen kann und bin gespannt, wie es dann aussieht.
Bei den Terokottatempeln hat es immer auch einen Brunnen, wo die Frauen und Kinder der umliegenden Dörfer Wasser holen können. Sie füllen dieses in Metalltöpfe ab und tragen diese auf dem Kopf balancierend nach Hause. Hier hat noch nicht jedes Haus einen eigenen Wasseranschluss und so sind diese Szenen und auch Fotos echt und keine Inszenierung für Touristen.
Zu Gast bei den Büffelhirten
Am späten Nachmittag fahren wir zusammen mit 2 neuen Hotelgästen zum Lager von Büffelhirten. Ganz in der Nähe der Hirten besitzt der Maharaja noch eine Farm. Dort hat es ebenfalls Gästezimmer – diese wären sicher auch einmal eine weitere Reise wert. Ich rechne darum wieder mit einer kurze Fahrt, doch wir fahren über 45 Minuten und verlassen sogar mal kurz Gujarat, da die Strasse über den Nachbarbundesstaat Rajasthan führt. Es geht auf einem schmalen Strässchen durch eine ganz tolle Landschaft über 3 Hügelzüge. Beim Lagerplatz der Hirten, wo sie mehrere Wochen bleiben, werden wir dann freudig begrüsst. Wir dürfen uns vor ihre Zelte setzen und bekommen einen feinen Chai gereicht. Natürlich kommen die Kinder als erstes zu uns und beobachten uns neugierig.
Der Maharaja führt unterdessen ein Gespräch mit den Hirten und kauft frische Milch. Diese wird direkt gemolken. Hier haben sie auch Wasserbüffel, da diese mehr Milch geben als normale Kühe.








Die Hirtenfamilie hat Freude an unserem Besuch und auch, das ich fotografiere. Für noch bessere Fotos wird dem Grossvater sogar noch seine Pfeife angezündet, was diesem natürlich sehr behagt. An der Kleidung erkenne ich, dass die Familie zum Stamm der Rabari gehören müsste. Die Männer tragen weisse, weite Trachten und weisse oder rote Turbane.
Die Kleidung der Frauen ist hingegen farbenfroh und handbestickt, oft auch mit aufwendigen Spiegelarbeiten. Am auffallendsten ist jedoch der Schmuck der Frauen, denn deren Arme sind vom Ellbogen bis zu den Schulterm mit weissen Armreifen bedeckt. Diese signalisieren das sie verheiratet sind. Oft werden die weissen Armreifen an den Handgelenken noch durch Silbermanschetten ergänzt. Zudem sind viele Rabari-Frauen am ganzen Körper kunstvoll und sehr fein tätowiert.
Etwa acht Monate im Jahr ziehen die Rabari mit ihren Tierherden durch die kargen Ebenen, um Weidegründe zu finden. Früher hatten sie vor allem Kamele, heute sind es mehrheitlich Büffelherden. Während der heissen Trockenzeit wandern sie in grünere Gebiete, wie hier um Poshina, und kehren erst in der Monsunzeit in ihre Stammesdörfer zurück. Ihr Lebensunterhalt basiert fast ausschliesslich auf dem Verkauf von Milch, Butter und Ghee, das ist geklärter Butter. Über das Geld scheinen hier bei den Rabari die Frauen das sagen zu haben, denn ich kann beobachten, wie eine ältere Frau mit dem Maharaja über den Preis der Milch oder andere Geschäfte verhandelt. Auch ohne die Sprache zu sprechen, kann ich vieles aus Gestik und Mimik lesen, was natürlich überaus spannend ist. Und wirklich, später lese ich nach, dass bei den Rabari die Frau das Geld einteilt, über Käufe und Verkäufe entscheidet und somit massgeblich das alltägliche wirtschaftliche Leben der Gemeinschaft bestimmt.
Wenn es Nacht wird in Poshina
Abends wirft sich der Darbargadh Palast in das goldene Licht vom Sonnenuntergang und danach wird er ganz stimmungsvoll beleuchtet. Für mich ist die «blaue» Stunde immer die beste Zeit für Nachtfotos. Kurz nach dem Sonnenuntergang ist immer noch genügend Licht vorhanden um Details zu erkennen, trotzdem verbreitet das elektrische Licht schon seine Strahlen und Charme.
Im Palastteil, wo die Maharajafamilie lebt, befindet sich der Speisesaal mit vielen Antiquitäten. Wir bekommen dort verschiedene leckere vegetarische Gerichte serviert.




FOTOTIPP
Nachtfotografie
Für schöne Nachtstimmungen ist die blaue Stunde der perfekte Zeitpunkt. Diese beginnt nach dem eigentlichen Sonnenuntergang und dauert je nach Jahreszeit und Ort etwa 15 bis 45 Minuten. In dieser Zeit gleichen sich das künstliche Licht der Lampen und das tiefe Blau des Himmels an. Du hast jetzt auf dem Foto den Einfluss vom Kunstlicht, aber immer noch genügend Restlicht um Details in den Schatten zu erkennen.
Da es jetzt dämmert und dunkler wird, ist einiges bei den Kameraeinstellungen zu beachten. Am besten ist es nun mit einem Stativ zu fotografieren, denn dann brauchst du nicht mit einer hohen ISO zu arbeiten. Eine hohe ISOzahl bedeutet immer ein grösseres Rauschen auf den Fotos. Mit Stativ kannst die Belichtungszeit beliebig lange wählen, denn aus der Hand wird es meistens ab 1/20s unscharf. Habe ich kein Stativ dabei, dann lege ich die Kamera auf einen Stuhl oder Mauer. Und da es bei einer Belichtungszeit um 1 Sekunde passieren kann, dass die Kamera wackelt wenn ich den Auslöser drücke, nutze ich den 2s Selbstauslöser der Kamera. Habe ich keine Auflagemöglichkeit, dann wähle ich die offene Blende, 1/30s und passe daran die ISO an.
Besuch vom Ambaji Jaintempel
Auf meiner Weiterfahrt besichtige ich den 800 Jährigen Jaintempel von Ambaji, der ganz aus weissem Marmor besteht. Schon vor dem Tempel sehe ich etliche Steinmetzgeschäfte, die Figuren aus dem Marmor herstellen. Hier kommen nicht so viele Ausländer vorbei und so gibt es einige Diskussionen mit dem Wächter, denn ich habe mir extra ein Fototicket gekauft und dann möchte ich natürlich auch fotografieren! Ins Gebäude dürfen Ausländer aber auch hier nicht.
Ausflug nach Rajasthan
Von hier aus mache ich einen mehrtägigen Abstecher nach Rajasthan und besuche die Stadt der Seen, Udaipur. Die Fotos von Udaipur und weitere meiner Rajasthanreisen findest du bald in meinem neuen Reisebericht.
Der Rückweg nach Ahmedabad
In etwa 4.5h geht es von Udaipur zurück nach Gujarat nach Ahmedabad. Hier schliesst sich meine Rundreise. Die Fahrt ist wieder unspektakulär, da es über die Autobahn geht. An der Grenze von Rajasthan und Gujarat gibt es aber eine grössere Verkehrskontrolle. Es werden die Autos durchsucht, damit niemand Alkohol dabei hat, da dieser in Gujarat verboten ist. Wir werden aber einfach durchgewunken. Bei ausländischen Touristen wird nicht so genau hingeschaut. Im folgenden möchte ich dir ein paar Impressionen von den Strassen von Gujarat zeigen, die ich während meiner 30 tägigen Reise festgehalten habe, denn obwohl es mehrheitlich über Autobahnen ging, konnte ich doch die eine oder andere schöne Szene festhalten.
Reisetipp: Reiseverlauf
Falls du die gleiche Reise wie ich planst, würde ich dir eigentlich empfehlen, von Udaipur direkt zurück Z.B. nach Mumbai/Dehli zu fliegen, so sparst du dir einen langen Fahrtag. Die nachfolgende Sehenswürdigkeit solltest du dann aber unbedingt schon vorher bei einer Stadtbesichtigung von Ahmedabad mit einplanen.
Der Adelaj Stufenbrunnen
In einem Vorort von Ahmedabad wartet noch ein letztes Highlight auf mich und es gibt nochmals einen Stopp. Ich besuche den Stufenbrunnen von Adelaj.
Im 15. Jahrhundert wollte der damalige Herrscher seinem Volk mit dem Bau des 5-stöckigen Brunnens in der trockenen Region einen Zufluchtsort mit kühlem Wasser und Schatten schaffen. Der etwa 20 Meter tiefe, oktogonale Schacht ist darum so angelegt, dass er innen kühl bleibt und in der Monsunzeit mit Wasser vollläuft. Jetzt hat es in der Tiefe immer noch Wasser. Ich sehe sogar eine Schildkröte und ein Frosch im Wasser schwimmen.
Die Architektur ist ein herausragendes Beispiel für die Verschmelzung von hinduistischer Ornamentik und islamischen Baustilen. Die Wände sind reich verziert mit floralen Motiven wie dem Lebensbaum, religiösen Symbolen und kunstvollen Säulen. Ich finde, von allen Stufenbrunnen, die ich besucht habe, ist dieser der fotogenste und unbedingt ein Besuch wert. Danach übernachte ich nochmals im French Haveli, bummle durch die Altstadt und fliege am nächsten Tag über Mumbai zurück nach Hause.
Tipps für eine Reise nach Gujarat
Das Essen von Gujarat
Der indische Bundesstaat Gujarat ist bekannt für seine überwiegend vegetarische Küche, die stark durch den Hinduismus und Jainismus geprägt ist. Fleisch gibt es darum nur an sehr wenigen Orten. Doch die vegetarischen Gerichte sind überaus abwechslungsreich und lecker. Fisch hingegen bekommst eher , natürlich ganz frisch an der Küste. Mir hat das Essen immer sehr gut geschmeckt. Ich habe es jetzt auch nicht als übermässig scharf empfunden. Auf dem Weg sehe ich jedoch einen grossen Chilimarkt. Somit hat vielleicht für jemanden ohne Indien-Erfahrung das Essen trotzdem ordentlich Wums… Alkohol ist in Gujarat verboten.
Spezialpermit für Gujarat
Indische und Ausländische Touristen brauchen eine Spezialbewilligung für den Besuch gewisser Gebiete von Gujarat an der Grenze zu Pakistan. Dies betrifft vor allem den Bezirk Kutch. Zum Beispiel darf die White Ran nur mit einem Permit betreten werden. Dieses kann aber von Ausländern nicht selbst online beantragt werden, da, wie bei den Nationalparks, ausländische Internetadressen keinen Zutritt zur Webseite erhalten. Zudem braucht es eine indische Kreditkarte und Telefonnummer. Vor Ort kann das Permit in Bhuj und dem Bhirandiyara Check-Post beantragt werden. Achtung Sonntags geschlossen. Bei mir hat sich meine Reiseagentur um das Permit gekümmert.
Packliste Gujarat
Die Kameragebühren
Noch nie war meine Kamera so teuer in einer Region in Indien wie in Gujarat und musste zudem bei so vielen Tempeln komplett draussen bleiben. Manchmal etwas frustrierend, darum will ich es erwähnen, damit du dich darauf einstellen kannst. Vor allem auch, falls du mit ÖV’s reisen möchtest, denn dann kannst du die Kamera und Tasche nicht einfach im Auto lassen. Ein Besuch ist dann nicht möglich. Aber wie du anhand meiner Fotos gesehen hast, konnte ich trotzdem genügend schönes fotografieren und festhalten.
Da bei Safaris die Kameragebühren in allen Nationalparks von Gujarat pro Tag und nicht pro Safari verrechnet wird, würde ich wenn möglich immer 2 Safaris am selben Tag machen.
Streetfoodspezialität Pani Puri
Pani Puri ist eine Spezialität aus Nordwestindien, Pakistan und Afghanistan und wird überall in Gujarat gekocht. Es sind gefüllte Teigkugeln, die kalt oder lauwarm gegessen werden. Sie werden mit einer Füllung aus Kartoffeln und Kichererbsen gefüllt und vor dem Essen in eine würzige Sauce getunkt.
Du bekommst sie sowohl als Streetfood (nur bedingt zu empfehlen, da nicht gekocht) aber auch in gehobeneren Restaurants wie dem Greenhouse im House of MG in Ahmedabad. Davon habe ich dir hier auch ein paar Fotos.







Einige Fragen und Antworten zu einer Reise nach Gujarat
Warum soll ich nach Gujarat reisen?
Gujarat ist ein sehr vielseitiges Reiseziel, denn hier kannst du auf Hügel und in die Salzwüste wandern, auf Safari gehen und sehr seltene Tiere entdecken, im Meer schwimmen, durch Altstädte schlendern, mit Jahrhunderte alten Bauwerken in die Geschichte eintauchen und viel Kultur und Handwerk erleben. Wenn du jedoch nur Badeurlaub und Palmen suchst, dann bis du im falschen Teil von Indien. Hier ist es recht trocken und eher eintönig, doch die Natur bringt einige Überraschungen. Gujarat ist ein super Reiseziel für eine kulturelle Rundreise. Du musst jedoch mit längeren Fahrstrecken rechnen, doch aufgrund der guten Strassen und vielen Autobahnen legst du viele Kilometer in relativ kurzer Zeit zurück. Gujarat ist sehr vielseitig und auf jeden Fall eine Reise wert.
Unvergesslich bleiben mir auch all die guten Begegnungen mit der freundlichen Bevölkerung von Gujarat.
Reise mit mir um die Welt
Was mir nach meiner Rundreise noch fehlt ist der grüne Südosten von Gujarat – der ist sicher auch eine Reise wert. Hast du Interesse oder möchtest mich gerne einmal auf einer anderen Reise begleiten? Ich suche immer Mitreisende.
Meine Beiträge zu Gujarat:
© Alle hier gezeigten Fotos unterstehen dem Urheberrecht von Jasmin Ilg, fotodesign-ilg. Die Fotos dürfen ohne ihr Einverständnis weder kopiert noch abgespeichert werden. Die Bilder und Bildrechte können aber käuflich ohne Wasserzeichen und in grosser Auflösung zu einem fairen Preis erworben werden. Vielen herzlichen Dank für deinen kleinen Unterstützungsbeitrag an meine Reisen. Jasmin Ilg hat noch viele viele weiteren Fotos, auch zu anderen Themen und Ländern und freut sich sehr über deine Anfrage.
Alle hier vorgestellten Hotels habe ich auf meinen verschiedenen Reisen durch Kerala schon besucht und natürlich darin übernachtet. Es ist keine Werbung, da selbst gebucht und bezahlt. Da sich Hotels mit der Zeit auch verändern, kann ich aber keine Garantie übernehmen, dass diese immer noch gut und empfehlenswert oder bezahlbar sind.
