Assam und Kaziranga

Kaziranga – klingt das nicht nach einem aussergewöhnlichen, exotischen und besonderen Abenteuer in der ganz weiten, fernen Welt?
Seit ich einmal eine Dokumentationsendung über den indischen Nationalpark Kaziranga im Herzen von Assam gesehen habe, steht er und seine Umgebung ganz hoch oben auf meiner Bucketliste. Nashörner, Tiger, Teeplantagen, lebende Wurzelbrücken, tibetische Klöster und der Himalaya… Das sind doch die perfekten «Zutaten» für eine unglaublich spannende Reise.
Nun ist die Zeit gekommen. Ich reise nach Nordostindien in die Bundesstaaten Assam, Meghalaya und Arunachal Pradesh, erfülle mir damit einen grossen Reisetraum und freue mich, dich hier nach Assam mitzunehmen…

im Reich der Nashörner und des Tees

Meine Reise nach Assam

Nach einer sehr späten Ankunft in Indiens Hauptstadt Delhi nach Mitternacht und einem nervtötenden Einreiseprozedere freue ich mich nun auf ein Bett und etwas Schlaf. Es ist aber gar nicht so einfach, ein Hotel in Flughafennähe zu finden, das halbwegs gute Bewertungen hat,  kein Vermögen kostet und nicht gerade eine Hochzeitsgesellschaft beherbergt und dich darum hinauskomplimentiert… Aber die erste Hürde und Nacht in Indien ist geschafft. Am nächsten Tag tausche ich am Flughafen Schweizer Franken in Rupien um, besorge mir eine SIM-Karte und nehme anschliessend den Nachmittagsflieger nach Osten mit Ziel Guwahati (unbedingt Tipps am Schluss beachten). Auf dem ca. 3 stündigen Flug habe ich einen tollen Blick auf die 7000er und 8000er vom Himalaya, denn alle anderen, niedrigeren Berge haben sind unter den Wolken versteckt. Zuerst taucht die Berggruppe der Annapurna (8091m) auf, dann das Everestgebiet (8849m) und zuletzt der Kanchenjunga (8586m), der dritthöchste Berg der Welt. Dies ist doch ein super Start der Reise.

Nach einer kurzen Erholung (oder was immer das bei mir heisst, denn ich bin natürlich schon um 6 Uhr auf die Birdwatching- und Hikingtour in meinem Hotel, dem Brahmaputra Dschungelresort bei Guwahati), geht die Reise mit einem Schlenker zu den lebenden Wurzelbrücken los (> Reisebericht Meghalaya). Nach einer guten Woche bin ich aber schon wieder zurück in Assam. Endlich ist es an der Zeit diesen wunderschönen Bundesstaat zu entdecken. Ich beginne gleich mit einem seiner Highligts, den Safaris!

Der Bundesstaat Assam

Assam liegt im Nordosten Indiens und gehört zu den sogenannten sieben Schwesterstaaten, die nur durch einen schmalen Korridor mit dem Rest von Indien verbunden sind. Darum konnte Nordostindien und auch Assam seine Ursprünglichkeit und seine Traditionen bis Heute erhalten. Der Grossteil von Assam nimmt das Flusstal des mächtigen Brahmaputras ein, das zwischen dem Himalaya im Norden und den Bergen von Meghalaya und Nagaland im Süden liegt. Dieses Schwemmland ist sehr fruchtbar, weshalb sich hier eine atemberaumbende Tier- und Pflanzenwelt ansiedeln konnte. Assam ist auch für seinen Tee bekannt und weltberühmt. In Assam leben verschiedene ethnische Gruppen und der Bundesstaat hat eine eigene Sprache und Schrift.

Auf zur Safari im Pobitora Wildlife Sanctuary

Der Kaziranga Nationalpark ist der berühmteste Nationalpark von Assam – ja gar von ganz Nordostindien. Trotzdem fahre ich nicht direkt dorthin, sondern zuerst zum Pobitora Wildlife Sanctuary, denn auch hier gibt es Einhörner!

Schon auf der Fahrt sehe ich den ersten grauen Koloss – das indische Panzernashorn. Aber nicht nur eines, nein auf der Wiese am Rande vom Wildlife Sanctuary tummeln sich dutzende. Oh wau! Wie freue ich mich nun auf die Safari am nächsten Tag. Zuerst geht es jetzt aber zu meiner ganz speziellen Unterkunft – einem Bambus-Stelzenhotel am Sandstrand vom Brahmaputra. Hier kommt doch gleich Ferienstimmung auf!

ÜBERNACHTSUNGSTIPP

Schlafen im Bambushotel

Das Hill Mynah Bamboo Resort besteht aus verschiedenen Bambushütten, die auf Stelzen am Hügelrand stehen. In der Hütte schaukelt es ganz leicht, wenn ich mich bewege. Mücken hat es bei meinem Aufenthalt aber zum Glück keine, nur der Hotelhund kommt mal auf Besuch und wählt meine Türmatte als Schlafplatz. Vor dem Resort erstreckt sich jetzt in der Trockenzeit der riesige Sandstrand von Brahmaputra. Hier gefällt es mir sehr gut, denn auch die Umgebung ist traumhaft und Spaziergänge sind möglich.
Das Hotel hilft gerne bei der Organisation von Safaris.
Bitte beachte: Da Guwahati nicht so weit entfernt ist,  kann es hier am Wochenende sehr viele indische Touristen haben, eventuell auch lautere Hochzeitsfeiern im Resort oder der Nachbarschaft.

Morgensafari im Nebel – auf der Suche nach Einhörner

Am Morgen werde ich von einem mehrstimmigen Vogelkonzert schon um 5 Uhr früh geweckt. Dünnen Bambusmattenwänden sei dank! Davon muss ich doch gleich Tonaufnahmen machen, schlafen kann ich ein anderes Mal. Aber Heute geht es sowieso früh los, denn ich starte den Tag mit einer Elefantensafari im Sanctuary. Aber oh weh, heute Morgen hat es dicken Nebel. Mir wurde gesagt, dass es vor allem in den Monaten Dezember und Januar Morgennebel geben kann, im Februar/März sei es hingegen meistens klar. Ausser natürlich genau Heute! Das liegt wahrscheinlich am kurzen Regenschauer, den wir gestern Nachmittag hatten. Sei`s drum, auf zum Sanctuary! Über eine Hängebrücke laufe ich zum Elefantencamp und von dort aus geht es auf dem Elefanten weiter. Zuerst reiten wir durch den Wald, dann kommen wir aufs Grasland. Und da sind sie schon, die Nashörner. Und sie lassen sich durch die Elefanten überhaupt nicht stören und wir kommen sehr nahe heran. Nashörner im Nebel – Pech? – Glück? – Ich lass da mal meine Bilder sprechen:

Info: Elefanten in Assam

Elefanten sind ganz besondere Tiere. Der Elefant symbolisiert als grösstes an Land lebendes Tier der Erde Stärke, Grösse, Kraft aber auch Weisheit, Glück und Frieden. Schaue einem Elefanten in die Augen, und du wirst die Begegnung nie vergessen. Da es in Assam aber nicht nur frei und wild lebende Elefanten gibt, möchte ich dir hier mehr darüber erzählen. Ich wünschte es gäbe nur wilde Elefanten, aber wie ich weiter unter bei den Fragen «Elefantensafari Ja oder Nein» erkläre, ist das nicht möglich. Aber in dem wir nicht einfach wegsehen, können vielleicht auch die Touristen bewirken, dass sich etwas verbessert…

Wilde Elefanten

Arbeitselefanten

Safari-Elefanten

Hotel-Elefanten

Bettel- und Tempelelefanten

Hier findest du meine persönlichen Gedanken zu den Elefantensafaris und warum ich mich für das Pobitora Wildlife Sanctuary entschieden habe:

Jeepsafari im Pobitora Wildlife Sanctuary:

Nach der Elefantensafari kämpft sich endlich die Sonne durch den Nebel und es geht nun mit dem Jeep in den kleinen Nationalpark. Noch nicht weit gefahren und schon treffe ich auf mein erstes Highlight, Hornbills! Diese majestätischen Vögel wollte ich unbedingt sehen und fotografieren. Wunsch schon erfüllt! Danach ist natürlich das Panzernashorn der absolute Star der Safari. Zuerst erschrecke ich, als ich einen grauen Koloss in nächster nähe sehe. Er liegt am Boden! Nashörner sind stark durch Wilderei bedroht. Doch Entwarnung, die Ohren bewegen sich, dieses Nashorn schläft gerade und lässt sich durch den Jeep in keinster weise stören. Da es jetzt um 10 Uhr langsam heiss wird, verlassen die Nashörner das Grasland und ziehen sich in den schattigen Wald zurück, wo sie in aller Seelenruhe ein Nickerchen halten. Mein erstes schlafendes Nashorn ist auf Fotos festgehalten!

Pobitora Wildlife Sancuray

der Hornbill

Am Nachmittag wäre noch eine Bootssafari zu den sehr seltenen rosaroten Delfinen möglich gewesen, doch da habe ich mich dagegen entschieden, denn nach der Safari entdecke ich lieber die Umgebung des Bambushotels auf eigene Faust und mache einen langen Spaziergang zum Dorf Chanaka. Das lohnt sich hier sehr – schöne Landschaft, freundliche Menschen, ursprüngliche Dörfer und wilde Assam Makaken…

Ein bisschen Gottvertrauen, oder hier besser gesagt Ganeshavertrauen braucht es bei meinem Besuch vom kleinen Ganesha Mandir (Ganesha= Elefantengott, Mandir=Tempel). Der Weg dorthin schlängelt sich am steinigen Ufer entlang und gerade bei der Strasse durchs Dorf wird ersichtlich, wie sich der Brahmaputra im Monsun immer mehr Land aneignet. Der Sadhu, der Tempelguru, und seine Anhänger sind auch sehr speziell.

Ist die Natur rund ums Hill Mynah Bamboo Resort nicht wunderschön? Hier kann ich direkt an der wenig befahrenen kleinen Strasse eine grosse Affenfamilie beobachten. Die Assam Makaken ernten fleissig die ersten Früchte. Auch der Fellpflege wird grosse Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Fluss entstehen in der Trockenzeit kleine Inseln. Diese sind sehr fruchtbar und darum wird dort fleissig angepflanzt. Diese Frauen haben die Felder von Unkraut befreit und bringen dieses mit ins Dorf, als Futter für die Ziegen und Kühe.

Reisanbau

Reis ist neben dem Tee das wichtigste Anbauprodukt in Assam. Das Schwemmland am Rand der Flüsse ist sehr fruchtbar und bestens für den Reisanbau geschaffen. Jetzt Ende Februar wird mit dem Pflanzen begonnen. Spätestens ab April und mit dem Beginn des Regens wird dann alles grün sein. Die Felder werden sowohl mit Maschinen als auch mit der Muskelkraft von Kühen bestellt. Die Haupterntezeit für Reis ist nach dem Monsun im Herbst, was eine gute Ergänzung zur Teeernte darstellt, die zum grossen Teil vor dem Monsun stattfindet.

Safari im Kaziranga Nationalpark

Endlich ist es soweit. Nach einer fast 5 stündigen Fahrt erreiche ich den Kaziranga Nationalpark und kann seine beeindruckende Tierwelt mit meinen eigenen Augen sehen. Der 1974 gegründete Nationalpark beherbergt Heute zwei Drittel aller Panzernashörner der Welt! Das sind etwas über 2000 Nashörner. Auch die Tigerpopulation ist stetig am wachsen und so ist Kaziranga seit 2006 auch ein Tigerreservat. Jetzt sollen etwas über 130 Tiger im Park leben. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von 430 Quadratkilometern und reicht vom Ufer vom Brahmaputra bis in die grünen Hügel. Er ist in vier Gebiete unterteilt, jedoch ist nur ein kleiner Teil für Touristen zugänglich. Ich bleibe 3 Nächte und mache insgesamt 5 Safaris. Es wäre locker auch ein längerer Aufenthalt möglich, ohne dass es langweilig wird, denn neben den Safaris sind auch Dörfer, die Teeplantagen, der Orchideenpark etc. ein Besuch wert. Aber nun möchte ich dir einen kleinen Einblick in meine Safaris geben mit meinen Fotohighlights:

Eastern Range Agoratoli:

Central Range Kohora:

Was versteckt sich hier im Dschungel?

Die Sichtung von einem Tiger ist immer ein grosses Highlight jeder Safari, und dann ist schon einmal der eine oder andere Jeep vor Ort. Dieser Tiger hier lässt sich aber nicht durch die Jeeps bei seinem Nickerchen stören und auch als der Elefant vorbei läuft, hebt er nur kurz den Kopf…

Nachmittagssafari mit Sonnenuntergang und Elefantensafari mit Sonnenaufgang – unvergessliche Stimmungen

Western Range Bagori

The Big Five of Kaziranga

Nashorn (indian rhinoceros)

In Kaziranga lebt die grösste Population indischer Panzernashörner. Ihren Namen haben sie wegen ihrer zahlreichen Hautfalten bekommen, die dem Tier den Anschein einer schweren Panzerung geben. Die Haut ist bis zu 4cm dick. Nur im Bereich der Falten, der Bauchgegend und am Kopf ist sie weicher und dünner. Mit einer Kopf-Rumpflänge von bis zu 380 cm, einer Schulterhöhe bis zu 186 cm und einem Gewicht von 2,2 t ist das Panzernashorn die grösste der drei Nashornarten Asiens. Es hat aber nur ein Horn und ein schlechtes Sehvermögen. Die eingeschränkte Sehleistung führt dabei manchmal zu spontanen Angriffen auf Eindringlinge oder bewegliche Objekte. Dafür besitzt das Panzernashorn einen ausgezeichneten Geruchs- und Hörsinn.

2022 wurden in Kaziranga 2613 Nashörner gezählt

Tiger (royal bengal tiger)

Derzeit weisst Kaziranga die grösste Tigerdichte aller indischer Nationalpärke auf. Und ich dachte schon, ich sehe hier nur Nashörner… Tiger finden in Kaziranga genügend Beute, Wasser und Schutz im Dschungel, deshalb wächst hier seine Population.
Tiger haben ein ganz individuelles Streifenmuster. Ich finde es unheimlich eindrücklich wie gross und auch kraftvoll seine Bewegungen sind. Seine Tatzen sind riesig. Ich sehe in Kaziranga einen Tiger beim überqueren vom Fluss. Ein weiterer hat sich im schattigen Gebüsch für ein Nickerchen verkrochen und lässt sich durch die Safarijeeps nicht stören. Denn wenn ein Jeep ein Tiger gesichtet hat, dann schreiben sich die Fahrer und alle kommen dahin.

2022 wurden in Kaziranga 104 Tiger gezählt

Asiatischer Elefant (asian elephant)

Nach Südindien leben hier im Nordosten an den Ausläufern des Himalayas die meisten wilden Elefanten. Über 5000 soll es in ganz Assam noch geben. Der indische Elefant ist nach seinem afrikanischen Verwandten das zweit grösste Landsäugetiere der Erde. Dadurch braucht er sehr viel Nahrung, über 150kg am Tag. Da sie oft weite Strecken wandern, beschränken sie sich nicht nur auf die Nationalpärke, was oft zu Konflikten führt. 2024 wurde in Assam die «Haati»App eingeführt, um Menschen vor nahenden Elefantenherden zu warnen und so Unfälle zu vermeiden. Der Asiatische Elefant hat keine natürlichen Feinde. Auch das Nashorn ist kein Konkurrent, da Nashörner harte Gräser vor weichen Pflanzenteilen bevorzugen, bei den Elefanten ist es gerade umgekehrt.

2024 wurden in Kaziranga mehr als 1200 Elefanten gezählt.

Wilder Wasserbüffel (wild water buffalo)

Ein Scherz? Wasserbüffel zählen zu den big five? Von denen habe ich doch schon so viele gesehen, in anderen Teilen von Indien, Myanmar, Laos oder auch Vietnam. Doch nun sehe ich mit eigenen Augen, dass domestizierter Wasserbüffel nicht gleich wilder Wasserbüffel ist. Die wilden sind viel grösser und dicker und die Hörner sind riesig! Was für ein Anblick. Wilde Wasserbüffel sind heute sehr selten und stehen auch auf der roten Liste. Indien beherbergt heute mit über 3000 Exemplaren die meisten wilden Wasserbüffel weltweit. Zum Schutz vor Insekten und zur Abkühlung hält sich der Wasserbüffel oft im Wasser oder im Schlamm auf. Anschliessend ist die Haut von einer dichten Schlammschicht bedeckt, die kein blutsaugendes Insekt durchdringen kann.

2022 wurden in Kaziranga 2565 Wasserbüffel gezählt

Barasinga (swamp deer)

Der Barasingha, Zacken- oder Sumpfhirsch, wie er noch genannt wird, gehört  zur Familie der Hirsche und ist stark bedroht. Der Kaziranga Nationalpark ist eines der wenigen Gebiete wo der Barasingha noch in erfreulich grossen Gruppen vorkommt, darum gehört er auch zu Kazirangas big 5.  Barasingha ist ein Wort aus dem Hindi und bedeutet „zwölf Hörner“. Es verweist auf das stark verzweigt Geweih, das häufig zwölf, aber auch bis zu 14 Enden aufweist. Im Winter werfen sie aber ihr Geweih ab, wodurch es jetzt nicht so impossant aussieht. Barasinghas halten sich vor allem in der Nähe von Feuchtgebieten und Flussläufen auf. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und ihre grossen Hufe verhindern, dass sie in feuchten Böden einsinken. 

2022 wurden in Kaziranga 1129 Barasinga gezählt

Black and White – oder die weiche Seele unter dem harten Panzer

Da muss ich doch wirklich ein Tränchen verdrücken – und nicht nur, weil es meine letzte Nashornbegegnung in Kaziranga kurz vor dem Gate sein wird. Sondern weil mich die zwei Nashörner vor mir zu Tränen rühren. Black and White. Liebe und Schmerz.
Da ich Angst hatte meine Fotos von meiner letzten Elefantensafari im Nebel seien nichts geworden, habe ich spontan noch eine Elefantensafari in Kaziranga gebucht. Dieses mal ist das Wetter auf meiner Seite. Die Safari beginnt aber sehr früh, so dass es zu Beginn sehr schwierig ist zu fotografieren.
Gegen Ende der Safari sind wir relativ nahe bei einem einzelnen Panzernashorn, das gemütlich frisst. Ich kann es wunderbar fotografieren. Da sagt mein Mahout plötzlich: «festhalten, eventuell gibt es gleich einen Nashornkampf, und dann müssen wir weg». Ein schwarzes, grosses Panzernashorn rennt auf «mein» Nashorn zu. Unser Elefant bleibt aber die Ruhe selbst. So erreignet sich auch kein Panzernashornkampf, sondern genau das Gegenteil. Das schwarze Nashorn kommt zum Weissen und wird von diesem abgeschleckt. Ich sehe jetzt, dass das schwarze Nashorn einige ganz böse Wunden am Auge und am Kopf hat. Ich hoffe sehr, dass diese liebevolle Behandlung hilft und dass das Nashorn schnell wieder gesund wird. Das schwarze Nashorn hat übrigens diese spezielle  dunkle, fast schwarze Färbung nicht von Natur aus, sondern es ist gerade aus dem Wasser gestiegen. Eventuell hilft auch dies die Wunden zu schliessen.

Auch während der Jeepsafari ist mir ein verletztes Nashorn aufgefallen. Es frisst direkt bei der Strasse. Vielleicht erhofft es sich ja durch die Safarijeeps einen gewissen Schutz vor seinen Artgenossen, denn untereinander kommt es immer wieder einmal zu Kämpfen, obwohl die Tiere sich normalerweise aus dem Weg gehen. Es geht dabei meistens um Territorien oder Weibchen. Erfreulicherweise steigt ja in Kaziranga die Zahl der Panzernashörner wieder, ihr Lebensraum schrumpft aber leider stetig. Der Brahmaputra schwemmt zum Beispiel jedes Jahr einige Meter Land vom Ufer weg, weswegen der Park immer kleiner wird. Und währen dem Monsun ist zudem ein Grossteil vom Park überschwemmt. Die Tiere können sich dadurch immer weniger aus dem Weg gehen und es kommt immer wieder zu Konfliken. Ausgewachsene Panzernashörner haben keine natürlichen Feinde ausser dem Menschen. Das Horn wird oft als Drohgebärde oder bei Fechtaktionen eingesetzt. Die scharfen Schneidezähne im Unterkiefer sind oft ihre eigentliche Waffen, mit denen ernsthafte Verletzungen zugefügt werden.
Ich kann noch zuschauen, wie sich zwei Nashörner über eine längere Zeit hinterher rennen. Das ist recht imposant, und ich bezweifle jetzt nicht mehr, dass die Kolosse bis 55km/h schnell werden können.

die Nashorntoilette

Leben im und am Wasser

Im Gegensatz zu den anderen Nashornarten ist das Panzernashorn ein sehr guter Schwimmer und verbringt längere Zeit im Wasser. Dies ist auch zwingend nötig, denn während dem Monsun tritt der Brahmaputra über die Ufer. Das Nashorn scheut auch tiefes Wasser nicht und vermag sogar unter Wasser zu grasen, wobei die Pflanzen erst über Wasser zerkaut werden. Auch alle anderen Tiere in Kaziranga scheuen das Wasser nicht. Ja sogar den Tiger konnte ich im Wasser fotografieren. Hier ein paar Fotos von der Nashornmutter mit ihrem Baby im Wasser (Aufgenommen in der Bagori Range):

der Elefantenapfel

Elefantengras

Auf Safari im Kaziranga Nationalpark sehe ich mehr als einmal, warum das Elefantengras seinen Namen erhalten hat. Mit einer unheimlichen Ruhe beobachte ich, wie sich eine Herde Elefanten durch das meterhohe Gras bis zu einem kleinen See frisst. Nur vereinzelt schauen die grauen Rücken und grossen Ohren heraus. Im Elefantengras können sich wirklich Elefanten verstecken, so hoch wächst es. Ausgewachsene Elefanten fressen täglich etwa 150 kg Nahrung, deshalb sind die grossen Grasslandschaften am Ufer vom Brahmaputra auch so wichtig und erhaltenswert, da sie Nahrung und Schutz für die verschiedensten Tiere bieten. Auch Nashörner, Wasserbüffel und Hog Deer (Schweinshirsche) verstecken sich im Gras.

Feuer in Kaziranga

Um das Wachstum neuer, schmackhafter Triebe zu fördern und die Ausbreitung von Gehölzarten zu stoppen, werden in Kaziranga Graslandflächen planmässig und vorher festgelegt abgebrannt. Das findet meistens im Februar und März statt zur Trockenzeit. Das Abbrennen betrifft oft einen kleinen Korridor entlang der Strasse. Dies kommt auch allen Touristen zugute, denn viele Tiere halten sie sich dann oft entlang der Strasse auf, da hier frisches Gras wächst. Zudem können die Tiere durchs kurze Gras leichter entdeckt werden, gerade wenn sie die Strasse überqueren wollen. Auch ich konnte in der Kohora Range kleinere Brände ausmachen. Wir haben da auch unseren Safarijeep angehalten, denn in unmittelbarer Nähe der Feuer hat es viele Vögel, wie den blau leuchtenden Indian Roller. Durch das Feuer werden viele Insekten vertrieben und auf diese haben es die Vögel abgesehen.

Silk Cotton Tree

Tipps, Fragen und Antworten zu Safaris und Kaziranga

rund um die Reiseplanung:

rund um das Fotografieren:

rund um die Safariarten…

Wissenswertes drumherum…

organisatorisches…

was du vielleicht nicht lesen willst…

Hier ein paar Impressionen von der Infrastruktur vom Phobitora Wildlife Sactuary, dem Kaziranga Nationalpark und Kaziranga Orchid Park

ÜBERNACHTSUNGSTIPP

Clamping in Kaziranga

Der kleine Ort Kohora liegt mitten im Nationalpark. Hier hat es sehr viele Unterkünfte, vom kleinen Homestay bis zur Sternelodge. Ich habe mich für Übernachtungen im Luxuszelt im «Mandu, the Escape Resort» entschieden. Dort schlafe ich zwar im Zelt, habe aber ein richtiges Bett und ein gemauertes Badezimmer. Die Zelte stehen etwas erhöht auf Stelzen und haben eine kleine Terrasse. Ich schlafe so gut, dass ich nicht mal ein Erdbeben in der Nacht spüre… Wer aber nicht so gerne «Natur» hat, dem empfehle ich ein gemauertes Cottage, denn rein theoretisch kämen kleine tierische Besucher sehr gut ins Zelt. Das Hotel hat auch einen Pool (erst im Sommer in Betrieb), eine kleine Teeplantage, ein grosses Aktivitätsprogramm und sogar einen Hikingtrail.

Im Reich der Orchideen

Rosa, Weiss, Gelb, Orange und Violett leuchtet mir entgegen. Kaziranga ist nicht nur die Heimat der Panzernashörner, sondern auch Lebensraum für mehr als 50 Orchideenarten. Im Kaziranga Orchid Park sind sogar über 500 verschiedene Exemplare  zu bewundern. Dieser privat geführte Park ist in den Monaten Februar, März und April auf jeden Fall ein Besuch wert, denn dann blühen die meisten Orchideen im Gewächshaus. Neben dem Orchideenhaus gibt es auch ein kleines Museum, Tanzvorführungen, kurze Wanderwege durch den Dschungel und einen grossen Kräuter- und Bambusgarten.

Überall hat es hilfreiches Personal, dass mir alles zeigt und erklärt (in sehr gutem englisch). Darüber bin ich sehr froh, denn ich weiss nicht, ob mir die kleinste Orchidee der Welt aufgefallen wäre. So winzig! Leider vergeht die Zeit viel zu schnell und es wird um 17 Uhr schon dunkel. Ich würde mind. 2-4 Stunden für den Park einplanen. Und wer gerne Souvenirs kaufen möchte, der findet vor dem Eingang eine grosse Auswahl, auch Assamtee gibt es zu kaufen. Aber jetzt Vorhang auf für wunderschöne Orchideen:

Kaziranga National Orchid and Biodiversity Park:

Ein zweites Orchideencenter gibt es in der Nähe vom Nameri Nationalpark, das Tippi Orchid Research Center. Dieses sei jedoch staatlich und darum nicht so gut gepflegt. Obs stimmt kann ich nicht bezeugen, denn ich hab es nur von aussen gesehen, denn da ein Gewitter in Anmarsch war, ging es nicht in das Center sondern direkt zur nächsten Unterkunft.
FOTOTIPP

Orchideen oder Blumen Fotografieren

Ich möchte auf den Fotos natürlich die Blumen in den Vordergrund heben, der Hintergrund sollte «verschwimmen» um nicht von der Blume abzulenken. Dies erreiche ich durch das Einstellen der kleinsten möglichen Blende. Diese ist je nach Objektiv unterschiedlich, z.B. bei f2.8, f5.6 etc. Je kleiner die Blende, desto kleiner ist der Schärfenbereich und desto unschärfer ist der Hintergrund. Jedoch muss dann ganz genau darauf geachtet werden, welcher Teil der Blume scharf abgebildet wird.
Auch die Brennweite und der Abstand zum Objekt haben einen Einfluss.
Bei der Motivauswahl achte ich auch darauf einen möglichst natürlichen Hintergrund zu haben, wo z.B. nicht noch die Töpfe etc zu sehen sind. Einzig bei der kleinsten Orchidee der Welt macht ein grösserer Ausschnitt Sinn, damit man z.B. durch den Nagel einen Grössenvergleich hat.

Auf der Teeplantage

Auf meiner Fahrt nach Kaziranga habe ich sie schon gesehen, die grünen Teefelder für die Assam so berühmt ist. Ich wollte aber nicht nur an den Teefeldern vorbei fahren – sondern sie von nahem und in Ruhe sehen, sie schmecken, riechen und fühlen… Darum übernachte ich auf der Puroni Bheti Teeplantage in der Nähe der Stadt Jorhat. Ich muss gestehen, ich habe an anderen Orten schon in schöneren Farmbungalows übernachtet, dennoch möchte ich den Aufenthalt nicht missen. Ein grosser Unterschied zu den anderen Plantagen, auf denen ich schon war, ist sicher, dass hier die Teepflanzen auf der Ebene wachsen, in Darjeeling, Ooty, Wayanad, Munar etc. aber in den Bergen. Dadurch ist die Landschaft eintöniger und eine Wanderung auch nicht so reizvoll. Doch es ist nun auch schön. etwas zu relaxen nach den schon sehr anstrengenden Safaritagen.

Der Plantagenrundgang ist sehr interessant, denn jetzt endet dann die Winterruhe der Teebüsche mit dem Einsetzen der wärmerer Temperaturen. Ich sehe die unterschiedlichen Rückschnittarten und sehe die ersten frischen Triebe an den Sträuchern. Der Rückschnitt vor dem Winter wird gemacht, damit die Sträucher einerseits nicht zu hoch werden, da so der Tee besser gepflückt werden kann, anderseits wachsen so junge feine Triebe nach, die einen besseren Tee ergeben. Für den Tee werden nur die obersten 2-3 Blätter verwendet, diese wachsen in einer Woche nach.

Die Assam-Teebüsche wachsen nur im feuchten und warmen Flachland, denn sie vertragen keinerlei Frost. Ihre Blätter sind bis zu einem Drittel grösser als die japanischen und chinesischen Verwandten und haben eine härtere Oberfläche. Die Teeernte findet in mehreren Perioden statt, beginnend im März mit der First Flush Ernte, gefolgt von der Second Flush Ernte im Mai. Anders als beim Darjeelingtee werden beim Assamtee nicht bei der ersten Ernte, sondern erst bei der zweiten Ernte im Sommer die Spitzenqualitäten geerntet. 

Assamtee

Markttag auf den Teeplantagen

Voll beladene Mopeds rattern durch die Teeplantage und kleine Verkaufsstände werden entlang der Strasse aufgestellt. Am Samstag ab 17 Uhr findet im Dorf zwischen Puroni Bheti und dem Haroocharai Tea Estate ein kleiner Markt statt. Ich habe Glück und kann diesem zur Freude der Einheimischen auch einen Besuch abstatten. Es wird vor allem alltägliches, wie Kleidung, Gemüse, Früchte, Fleisch, Fisch und Gewürze verkauft. Hierhin kommen die Teearbeiter zum einkaufen. Ich sehe schnell, dass viele nicht aus Assam stammen. Für die Ernten im Frühjahr und Sommer kommen Erntehelfer aus noch ärmeren Gegenden von Indien, vor allem aus Orissa im Südosten. Diese wohnen dann in einfachen Lehmunterkünften. Das macht schon etwas nachdenklich. Am Markt herrscht aber eine überaus freudige Atmosphäre. Später kann ich bei der Hoograjuli Tea Estate nochmals einen Markt erleben und habe hier die Fotos von beiden Märkten zusammengefasst:

Gemüse, Gewürze und farbige Pasta

Es bringen hier vor allem Bauern ihre geernteten Früchte und Gemüse auf den Markt. Chili ist gross vertreten, ob frisch, getrocknet oder zum Pulver gemahlen. Was ich immer ganz besonders finde, auch wenn es ein ganz kleiner Markt ist, wie schön die Produkte präsentiert werden.

Brahmakauz (spotted Owl)

Majuli – auf zur grössten Flussinsel Indiens

Sind Inder gute Autofahrer? Wer daran zweifelt, dem empfehle ich zuzuschauen, wie die Autos und Töffs auf die Fähre nach Majuli verladen werden. Kino vom feinsten! Perfekt parken, um ja keinen Zentimeter platz zu verschwenden, ist hier die Device. Herrlich zu beobachten! Natürlich ist die anschliessende ca. 1.5h Überfahrt mit der Fähre auf dem Brahmaputra auch ein echtes Erlebnis. Dabei darf auch ein Becher Chai nicht fehlen. Es hat extra einen Chaiwalla (Teekoch) an Bord, der diesen frisch zubereitet und dazu Cookies und Snacks verkauft. Hungern muss man in Indien nirgends.

Der Brahmaputra

Als einer der längsten Flüsse der Erde fliesst der Brahmaputra durch China, Indien und Bangladesch. Er entspringt beim heiligen Berg Kailash in Tibet und fliesst als Yarlung Tsangpo ostwärts über das tibetische Hochplateau. In Arunachal Pradesh ändert er seine Richtung und fliesst nach Süden durch den Himalaya bis nach Assam. Dort dreht er nochmals seine Fliessrichtung nach Westen. Nun hat der immer grösser werdende Fluss den Namen Brahmaputra. Das ist ein Sanskritwort und bedeutet Sohn von Brahma. Und Brahma ist ein bedeutender Hindugott. In Bangladesch ändert er wieder seine Richtung gen Süden und vereinigt sich mit dem heiligen Ganges. An einigen Stellen in Assam ist der Flusslauf bis zu 10km breit. Der Fluss aus dem Himalaya bringt viele Sedimente mit sich, weshalb das Schwemmland in Assam sehr fruchtbar ist. Am Ufer sehe ich auch Kraniche.

Majuli zählt zu den grössten Binnenflussinseln der Welt und ist umgeben vom mächtigen Bramaputra und dem Subansiri-Fluss. Die Zukunft der Insel steht aber in den Sternen, denn durch Bodenerosion wird die Insel immer kleiner. Während dem Monsun wird sie auch immer wieder überflutet. Deshalb sind die Strassen erhöht auf Dämmen gebaut und viele Häuser thronen auf Stelzen, auch mein Hotel. Hier sehe ich in Assam zum ersten Mal Flughunde in den Bäumen.

Die Süsswasserinsel ist das Herz der Vaishnavite-Kultur in Assam und beherbergt zahlreiche hinduistische Klöster, sogenannte Satras. Diese religiösen und kulturellen Zentren spielen eine zentrale Rolle in der Bewahrung der spirituellen und sozialen Traditionen der Region. Der Sri Sri Auniati Satra finde ich besonders interessant, da ich einer kurzen Lesung und Zeremonie von 3 Mönchen lauschen kann. Zum Schluss werden mit Hingabe die Tauben gefüttert und gestreichelt. Mitgefühl für alle Lebewesen ist somit nicht nur im Buddhismus wichtig. Ich wusste vorher auch gar nicht, dass es im Hinduismus Mönche gibt. Wieder etwas gelernt. Zudem sieht ein Tempel in Assam auch komplett anders aus als in Rajasthan, Gujarat oder Kerala… Also lohnt sich ein Besuch immer.

Majuli ist auch ein guter Ort um traditionelles Handwerk zu sehen. Die Insel ist zb. berühmt für ihre Tontöpfe, Webereien und die Maskenherstellung. Auch sehr spannend ist es zuzuschauen wie aus Zuckerrohr Jaggery wird, eine dicke, klebrige und unheimlich süsse Zuckermasse. Doch schau nun selbst, was ich alles kennenlernen durfte:

Maskenherstellung

Für seine Masken ist Majuli berühmt. Die Masken werden für die traditionellen Feste der Insel getragen. Da das Grundgerüst aus Bambus hergestellt wird, sind sie sehr leicht.

Jaggery – Zuckerrohrsüssigkeit

Direkt beim Zuckerrohrfeld wird der Saft in einer grossen Pfanne eingedickt und bis auf 200 Grad erhitzt. Ich darf ein wenig von der süssen Zuckermasse probieren, frischer geht es nicht mehr…

Töpferhandwerk

Aus dem Lehm der Insel stellt diese Frau Töpfe mit einfachsten Hilfsmittel her. Sie hat keine automatische Töpferscheibe, sondern einen Teller, den sie mit ihren Zehen dreht.

Bootsbau und Fächerherstellung:

Da Majuli eine Insel ist, braucht es natürlich auch Bootbauer. Im Kloster stellt ein Mönch gerade das Mittelstück für einen Fächer für den Klostershop her. Hier kann ich wirklich sagen, er arbeitet mit Händen und Füssen!

Zieglerei:

Eine der grössten Industrien in Assam sind die Ziegelbrennereien. Doch auch hier wird alles von Hand hergestellt, die Ziegel an der Sonne getrocknet und dann im grossen Ofen gebrannt.

Weberei:

Viele Häuser haben unter dem Vordach einen eigenen Webstuhl, doch auf der Insel haben sich die Frauen zusammengeschlossen um effizienter arbeiten zu können. Hier hat es auch einen kleinen Shop.

Nach Majuli bin ich nun nördlich vom Brahmaputra unterwegs und verlasse den Bundesstaat Assam. Ich reise jetzt in den Himalaya durch Arunachal Pradesh. Von der Flussebene auf 84m.ü.M geht es auf über 4000 Meter hoch. Diese Reiseberichte findest du hier >Arunachal Pradesh Ziro und >Arunachal Pradesh Tawang. Danach geht es wieder zurück nach Assam, denn mein Reisetour schliesst sich wieder in Guwahati.

Der hässlichste Vogel von Assam,
der Argalamarabu

Nameri Nationalpark

Der Nameri Nationalpark ist eines der ganz wenigen indischen Nationalpärke (oder sogar der Einzige?) in den man zu Fuss hinein darf. In einer ca. 3 stündigen Rundwanderung kann der Dschungel hautnah erlebt werden und ich bin mir sicher, für einmal wünscht sich jeder, keinem Tiger zu begegnen. Der König vom Dschungel ist nämlich auch hier Zuhause! Der Park bleibt aber leider auf meiner Bucketliste stehen, denn wegen einem heftigen Gewitter mit Starkregen am späten Nachmittag finden am nächsten Morgen keine Wanderungen statt. Schade, denn ich wäre bestens ausgerüstet gewesen, Regenmantel für mich und meine Kamera, ja sogar Blutegelsocken habe ich mit, aber Sicherheit geht nun mal vor. Davon lass ich mir aber nicht den Tag vermiesen und so mache ich selber eine Morgenwanderung zum Eingang vom Nationalpark. Schliesslich halten sich die Tiere nicht an die Parkgrenzen und wer weiss, vielleicht habe ich ja Glück und sehe etwas. Und wirklich, eine Gruppe Languren turnt in den Baumkronen.  Und es sind nicht irgendwelche Languren – sondern Goldlanguren. Diese sind sehr selten und kommen nur noch in Assam (vor allem im Manas Nationalpark) und Südbhutan vor. Ich hatte also riesen Glück die Goldenlanguren zu sehen.

Goldlanguren

Nach dem Frühstück mache ich noch einen Spaziergang auf die andere Seite zum Dorf Dharikati. Jetzt werde ich Meisterin im Wasserpfützen umrunden und überspringen. Der Dorfbesuch ist auch nicht ganz ungefährlich, denn Heute ist ja auch noch ein ganz besonderer Tag, Holi. Dazu mehr weiter unten.

Teeplantage zum Zweiten

Da der Weg nach Guwahati weit ist und ich nicht den ganzen Tag im Auto verbringen möchte, unterbreche ich die Fahrt zum Flughafen und übernachte ein weiteres Mal auf einer Teeplantage. Dieses Mal hat mein Zimmer sogar einen direkten Blick auf die grünen Bäumchen. Im Kanoka Village Resort komme ich mir richtig exotisch vor, denn die Mitarbeiter haben sonst nur indische Gäste und kümmern sich darum überbordend um mich. Und da mich das Aktivitätsprogramm wie Bootfahren auf ihrem Weiherchen, Zipline, Armbrustschiessen etc. nicht so anspricht, organisieren sie eine Teefabrik- und Marktführung. Das die Teefabrik wegen dem Feiertag geschlossen ist, ist für sie nebensächlich ;-). Das ist Indien – mit Zeiten und Distanzen haben sie es nicht so recht. Manchmal kannst du durch lokale Tipps ganz tolles erleben, und manchmal ist es halt eher ein Reinfall… Das macht ja das Reisen gerade so spannend. Hätte ich mehr Zeit (und wäre nicht gerade Holi) so liessen sich von hier aus auch schöne Fahrradtouren durch Dörfer und die Hoograjuli Tea Estate unternehmen. Aber leider wartet ja mein Flieger….

Assamtee kaufen

Am schönsten ist es natürlich, direkt bei der besuchten Teeplantage Tee zu kaufen. Das ist aber nicht immer möglich, da der grosse Teil vom guten Tee exportiert wird. Beim Kaziranga Orchid Park gibt es einige Teeverkäufer. Eine riesengrosse Auswahl aromatisierten Tees hat jedoch das Kanoka Village Resort, wo ich auch übernachtet habe. Sie veredeln ihren organischen Tee direkt in der kleinen Factory im Resort. Ihr Tee kann auch bestellt werden:

Auf den Strassen von Assam

Assams Strassen sind, soweit ich das beurteilen kann, in einem sehr guten Zustand. Keine Schlaglöcher und auch keinen Stau. Bei der Durchfahrt vom Kaziranga Nationalpark ist auch schön zu sehen, dass sie Geschwindigkeitslimiten, Tierkorridore etc eingerichtet haben, um möglichst die Tiere zu schützen. Trotzdem ist immer noch eine Priese Abenteuer auf den Strassen zu sehen, so gibt es Mitfahrer auf dem Dach oder bis zum Anschlag beladene Mopeds und Velos – hier kommt gleich der ganze Laden zu den Menschen ins Dorf.

Die alten Tempel der Ahorn

Die Architektur der historischen hinduistischen Tempel von Assam, ist ganz speziell und einzigartig für diesen Bundesstaat. Darum möchte ich sie dir hier auch noch kurz zeigen. Der Grundriss eines assamesischen Tempels erinnert an ein Kreuz mit einer grossen Kuppel in der Mitte. Die Anordnung von Dachflächen und Türmen, soll an den heiligen Berg Kailash erinnern, den Wohnsitz von Shiva und Parvati. Der Kailash liegt in Tibet und bei ihm entspringt der Brahmaputra. Neben dem Maa Kamakhya Tempel besichtige ich noch den Negheriting Shiva Doul in der Nähe von Jorhat. Hier sind sehr viele Affen anzutreffen, denn wegen Hanuman, dem Affengott, werden sie verehrt und gefüttert. Bei meinem Besuch sind aber nur wenige da, denn kurz vorher muss ein Fest stattgefunden haben. Es sieht jetzt aus wie das negative Bild, dass wir von Indien haben, Plastik und Abfall überall. Es wird jedoch schon fleissig aufgeräumt. Assam habe ich ansonsten als recht sauber empfunden.

Und mein letztes Abendteuer: HOLI

Holi ist das hinduistische Frühlingsfest und wird natürlich auch in Assam gefeiert. Holi ist ein Erlebnis – doch Holi ist auch ein bisschen «gefährlich» und die Teilnahme darum nicht für alle zu empfehlen. Holi wird auch das Fest der Farben und Liebe genannt, denn mit Holi wird die ewige und göttliche Liebe der Gottheiten Radha und Krishna gefeiert. Darüber hinaus symbolisiert der Tag den Triumph des Guten über das Böse.
Am Vortag von Holi werden Abends grosse Freuden-Lagerfeuer angezündet. Bei mir ist dieser Brauch aber buchstäblich ins Wasser gefallen, denn wegen dem starken Gewitter mit Monsunregen war dies nicht möglich. Am eigentlichen Festtag wird dann jedem «Happy Holi» gewünscht und man bekommt einen farbigen Punkt oder Strich ins Gesicht. Jetzt ist es noch relativ «sicher» das Hotel zu verlassen und in die kleinen Dörfer zu gehen. Wer nicht farbig werden möchte, der wird normalerweise in Ruhe gelassen. Schliesslich ist es ein Fest, dass Spass und Freude machen und bringen soll. Der nächste Tag ist dann jedoch sehr «gefährlich». Ganze «Banden» aus mehrheitlich Frauen und Kinder warten an den Eingängen der Dörfer und jeder bekommt eine Ladung Farbpulver, manchmal auch mit Wasser vermischt, angeworfen. Die jungen Männer veranstalten Heute zudem noch Schlammschlachten.

Da Bilder mehr als 1000 Worte sagen können, hier Impressionen vom Maa Kamakhya Temple:

Tipps für ein entspanntes Holifest

Wer nicht farbig werden möchte, dem empfehle ich 2-3 Relaxtage in einem gehobeneren Resort. Dort sollte Holi ganz manierlich gefeiert werden und Farbschlachten gibt es nicht. Hierhin kommen auch viele indische Familien, die den Feiertag gemeinsam in Ruhe verbringen möchten.
Geschäfte haben an Holi meistens geschlossen! Viele Inder machen dann auch Ferien, Resorts sind recht voll. Dies bei der Reiseplanung beachten und frühzeitig buchen.
Alte Kleidung tragen, denn das Farbpulver geht sehr schlecht raus, vor allem wenn noch Wasser dazu kommt.
Kamera in Plastik einpacken. Der Farbstaub und Wasser kann «tödlich» sein.
Wer blonde Haare hat und sich mitten ins Getümmel wagt, Haare vollständig bedecken, denn die Farbe lässt sich schlecht herauswaschen.
Farbstaub zuerst abschütteln, erst dann mit Wasser abwaschen, denn mit Wasser wird vor allem das Rot unheimlich intensiv. Meine Fusssohlen waren auch noch mehrmaligem schrubben und Fussbädern auch nach 3 Tagen noch Pink.

Tipps für eine Reise nach Assam

Hier einige Tipps rund um eine Reise nach Assam und eine Fotoauswahl von meinen schönsten Menschen-, Vögel- und Schmetterlingsfotos:

Flugtipp

Beste Reisezeit

Reiseplanung

Geldwechseln

Souveniers

Eintritte

Safari

Packliste Safaris:

Warme Jacke für die Jeepfahrt zum und vom Parkeingang
Kleidung in gedeckten Farben, damit die Tiere davon nicht aufgeschreckt werden. Keine Knallfarben.
Staubmaske für das Gesicht
Staubschutz für die Kamera
Regen- und Sonnenschutz
kleine Tasche, die gewaschen werden kann, da nach der Safari alles staubig ist
Kamera mit grossem Zoomobjektiv (mind. 200-400mm) oder Feldstecher
genügend Akkus
Trinkflasche mit Wasser, keine Petflasche

Mücken

Meine Reiseroute

Hier findest du meine weiteren Reisebericht von meiner Nordostindienreise:

Mein Reisebüro:

Diese Reise habe ich zusammen mit meiner kleinen 4 köpfigen Reisegruppe individuell geplant und zusammengestellt. Bei der Umsetzung geholfen und alles vor Ort organisiert hat mir das Reisebüro Auf und Davon Reisen. Ich hatte wirklich eine tolle Reise und einen super Fahrer. Danke Kamal!

Reise mit mir nach Nordostindien

Ich bin immer auf der Suche nach Reisekameraden, damit wir uns zu zweit oder in einer kleinen Gruppe ein Auto teilen können, um individuell unterwegs zu sein und abgelegene Orte, Dörfer und Menschen zu besuchen, zu wandern, zu fotografieren, zu geniessen…. Suchst du noch eine Reisekameradin? Ich freue mich über deine Nachricht.

In Nordostindien würde mich zum Beispiel noch interessieren: Manas Nationalpark (wäre auch gut mit dem Osten von Bhutan zu verbinden), Chakrashila Wildlife Sanctuary, Wari Chora, Hollongapar Gibbon Sanctuary, Nameri Nationalpark, Teeplantagen rund um Dibrughar, die Täler um Aalo in Arunachal Pradesh, Nagaland, immer wieder Kaziranga und natürlich die vielen Stammesfeste und noch vieles mehr…

© Alle hier gezeigten Fotos unterstehen dem Urheberrecht von Jasmin Ilg, fotodesign-ilg. Die Fotos dürfen ohne ihr Einverständnis weder kopiert noch abgespeichert werden. Die Bilder und Bildrechte können aber käuflich ohne Wasserzeichen und in grosser Auflösung zu einem fairen Preis erworben werden. Vielen herzlichen Dank für deinen kleinen Unterstützungsbeitrag an meine Reisen. Jasmin Ilg hat noch viele viele weiteren Fotos, auch zu anderen Themen und Ländern und freut sich sehr über Ihre Anfrage. Die Informationen der Texte wurden von Jasmin Ilg recherchiert oder hat sie auf ihren Reisen gehört oder erlebt.

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